Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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iä - gliedcr des Vereins geben sogar eine Zeitung heraus und,gründen eine Schule, an der Heine selbst Unterricht erteilt. Die Schule ist Hauptfachlich für Einwanderer aus dem Osten bestimmt. Heine sagt in seiner Schrift über Polen, beim Anblicke des ersten polnischen Dorfes habe ihn ein Ekel erfaßt, und nichts habe ihn so angewidert, wie jene zerlumpten Schmutzgestalten. Er fährt dann fort: ״Dennoch wurde der Ekel bald berdrängt von Mitleid . . . Trotz der barbarischen Pelzmütze, die seinen Kopf bedeckt, und der noch barbarischeren Ideen, die denselben füllen, schätze ich den polnischen Juden weit höher, als so manchen deutschen Juden . . . Der polnische Jude mit seinem schmutzigen Pelze, mit seinem bevölkerten Barte und Knoblauchgeruch und Gemauschel ist mir noch immer lieber, als mancher in all seiner staatspapicrenen Herrlich-!eit." Ueberhaupt, es bemächtigt sich Heines ein großes Mitgefühl mit dem unterdrückten Volke und in seinem ״Rabbi von Bacharach" will er von dem großen Judenschmerze schreiben, er will ein solch ergreifendes Bild dieses Elends darstellen, daß es alle Polentaten und Völker iin innersten Herzen rühren soll. Auch die letzten Akte des ״Almansor" werden in dieser Zeit vollendet. Doch die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Aus Mangel an Unterstützung und Teilnahme löste sich der Verein bald auf, und mehrere Mitglieder ließen sich taufen. Dieses war nicht zum wenigsten eine Folge der Hegelschen Philosophie. Auch Heine wurde von dem Taumel der Begeisterung mit fortgerissen und schloß sich dieser Philosophie an, die er wohl nie ganz verstanden hat. Er spricht mit dem großen, ihm eigenen Freimut von dieser Epoche in den ״Geständnissen": ״Ich war nie abstrakter Denker, und ich nahm die Synthese der Hegelschen Doktrin ungeprüft an, da ihre Folgerungen meiner Eitelkeit schmeichelten. Ich war jung und stolz, und es tat meinem Hochmut Wohl, als ich von Hegel erfuhr, daß nicht, wie nieine Großmutter meinte, der liebe Gott, der im Himmel residiert, sondern ich selbst hier auf Erden der liebe Gott sei." Heine selbst aber wendet sich damals mit den schärfsten Worten gegen Gans, der sich hatte taufen lassen. So hinterläßt auch die Berliner Zeit einen Zwiespalt in seinem Wesen, ja noch mehr, der Zwiespalt wird vertieft. Er wendet sich nun wieder der Jurisprudenz zu. Zwischen der bestandenen Prüfung und der Promotion fällt seine Taufe. Ganz geheim hat er sich in dem Städtchen Heiligenstadt taufen lassen. Dieser Schritt hat ihn nicht geringe Kämpfe gekostet. Seine Eltern und Verwandten waren für die Taufe, nur er selbst konnte sich nicht dazu entschließen. Er sah aber, daß ihm die akademische Laufbahn als Jude verschlossen blieb, und er