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Blätter · 1917-08-01 · 7 (8.1917) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
7 (8.1917)
Date
1917-08-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Wunder dort vermag, Lahme gehend zu machen und den Blinden wieder ihr Augenlicht zu geben. Die Macht des Glaubens übt auf den jungen Heine nachhaltige Wirkung aus; auch er sieht sich diesem Zauber verfallen. Ueberhaupt befindet er sich damals in einem merkwürdigen Dualismus. Auf der einen Seite hält er es für unwürdig, mit seiner angestammten Religion zu brechen, während er eine schwärmerische Verehrung für das Christentum hegt. Dichterisch ist dieser Konflikt im Almansor verarbeitet. Während Almansor in der angestammten Religion verbleibt, hat Zuleima die neue Religion niit inniger Liebe in sich aufgenommen. Sie würde Wohl auch Almansor zu diesem Glauben bekehrt haben, wenn nicht ein plötzlicher Tod beider Leben beendet. Ohne den religiösen Konflikt gelöst zu haben, schließt Heine seine Tragödie ab. Er konnte ihn nicht lösen; denn es war noch ein innerer Zwiespalt in ihm. Er wagte auch nicht, den Gedanken auszudenken; denn er zweifelte, ab er charakterfest genug bleiben würde, den Verlockungen der Umwelt standznhalten und sich selbst treu zu bleiben. Das nächste Jahr weilt er in Göttingen. Doch seinem dortigen Aufenthalt war auch keine Dauer bcschieden. Infolge eines Duells mußte er diese Hochburg bürgerlicher Pedanterie und aristokratischen Eigendünkels verlassen. Weil man den Juden in ihm beleidigt hatte, stellte er sich zum Duell und lernte so das Judentum als ״ein Unglück, das man mannhaft ertragen muß", kennen. Er begibt sich nach Berlin, und wir sehen ihn hier in allen möglichen Kreisen Verkehren. In den Salons Rahels, in denen man Goethe in den Himmel erhob, treffen wir ihn ebenso, wie in den dunklen Stuben Lutters und Wegeners, wo Grabbe, Devrient und andere verkommene Genies ihre Abende verbrachten. Doch in Berlin nimmt er zum erstenmale praktischen Anteil am Judcntume. Mit seinen Freunden Eduard Gans, Leopold Zunz, Moses Moser und anderen gleichgesinnten jungen Leuten tut er sich zum ״Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums" zusammen. Zweck des Vereins ist, dem nach ihrer Meinung degenerierten Judentume durch deutsche Kultur und Wissenschaft wieder neue Kraft einzuflößen. Heine treibt Altertumsforschung, infolge derer sich eine große Hochachtung der alten und eine nicht minder große Verachtung der neuen Juden seiner bemächtigt. ״Die jüdische Geschichte ist schön; aber die jungen Juden schaden den alten, die man weit über die Griechen und Römer setzen würde. Ich glaube: gäbe es keine Juden mehr und man wüßte, es befände sich irgendwo ein Exemplar von diesem Volke, man würde hundert Stunden reisen, um es zu sehen und ihm die Hände zu drücken — und jetzt weicht man uns aus!" Die Mit-

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