Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 - Kriegsmediein. Von Oberarzt Dr. med. S. L. Wir Aerzte sind in dem Kriege wahrhaft glücklich zn preisen; denn wir sind nicht berufen, ״zu zerstören, nicderzurcißcn, zu vernichten und zu vertilgen", sondern nur ״aufz>lbauen und anzupflanzen", tlnscrc Tätigkeit unterscheidet sich nur wenig von den Zeiten des Friedens; wir leben ja immer im Kampfe mit Krankheit, Siechtum und Tod; wir gehen immer mit neuen Mitteln zum Angriffe über, und wenn auch hundertmal besiegt, finden wir auch das lOlmal den Mut, aufs neue den Streit zu wagen. Wir jüdischen Aerzte kämpfen aber noch gegen eine andere Front voll Hindernisse, es sind dies die 613 Gebote, von denen namentlich das stärkste und mächtigste, das Sabbatgcbot, uns ein titanenhaftes Ringen abnötigt. Doch ist der Kampf, den wir auf dieser Front führen, recht eigenartig. Die Hindernisse sind sehr leicht zu besiegen, ja mit zäher Beharrlichkeit einfach wegzublasen; wir wollen aber gar nicht siegen, wir wollen uns nicht über sie hinwcgsctzen; wir wollen sie unversehrt und!nächtig ragend stehen lassen, um uns im Notfälle nur durch enge Maschen des Drahtgeflechtes hindurchzuzwängcn. Unsere heiligen Gebote stehen und bleiben und sind unentwegt und unverändert so, wie wir sie von unseren Urahnen übernommen haben; nicht ein Millimeter wird aufgelassen. Und für uns Aerzte, denen manches erlaubt und sogar geboten ist, was anderen verboten bleibt, ist cs von weittragender Wichtigkeit, daß wir die engen Maschen zum Durchschlüpfen genau kennen, daß wir die Ausnahmefälle mit größter Gewissenhaftigkeit wahrnchmcn; denn gerade hier wird das mächtige Bauwerk erst dadurch befestigt, daß cs jene Durchlässe hat, gerade bei uns wird die Regel durch die Ausnahme bestätigt. Seit wir jüdischen Aerzte in den Krieg gezogen sind, teilen wir alle Schwierigkeiten mit unseren anderen Kollegen; die Unbcqucmlichleiten des Aufenthaltes, die Märsche und häufigen Versetzungen, die Schwierigkeiten der Ernährung überhaupt und der rituellen im bcsonderen, die Gefahren an Leib und Leben in der Fcuerlinie, auf dem Hilfsplahe, aber auch hinten im Seuchonlazarett. Die Schwierigkeiten, welche uns die Sabbatheiligung aufcrlcgt, sind nicht etwa, wie mancher glauben würde, kleiner als bei anderen Offizieren oder Mannschaften; nein, groß, riesengroß sind sie, und zwar eben weil uns selbst die Handhabe gegeben ist, zu entscheiden, ob der Sabbat zu entweihen ist, wann