Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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0 er zu entweihen ist, und mit welchen Modalitäten cs geschehen soll. Daß in Fallen der Gefahr jede Rücksicht auf den Sabbat wegfällt, ist selbstverständlich, daß dies ״mipnoj darkej scholaum" immer und überall geübt werden muß, ist ebenfalls fraglos. Doch wenn auch die Fälle der Gefahr sich gegen die Fricdcnszcit ungeheuer vermehrt haben, so sind doch die leichten Erkrankungen und Verletzungen weitaus in der Mehrzahl gegen jene; und da gibt uns das Gesetz keine Handhabe in die Hand, ihrethalben den Sabbat zu verletzen. In einer großen Anzahl der Fälle wird uns unser medizinischer Weitblick sagen, daß dieselben zwar heute ungefährlich scheinen, daß sie aber durch ungenügende Be- Handlung schlimmer werden können; Grund genug, um uns zu normaler Tätigkeit in gewissenhaftester Weise anzuspornen. In einer anderen Zahl von Fällen, namentlich solchen, die uns schon vorher bekannt waren, wird es ohne Schaden für die Erkrankten möglich sein, die Behandlung so zu regeln, daß der Sanistag frei wird. Daß hierbei schon vom Sonntag an eine genaue Ucbersicht und Leitung der Behandlung notwendig sein ivird, brauche ich Kollegen nicht zu erklären; Laien aber kann ich aus vieljähriger Spitals- und dreijähriger Kricgspraxis versichern, daß meine Kranken, die womöglich am Samstag gar keine Maßnahmen notwendig machten, niemals zu Schaden kamen; die Beobachtung und die Behändlung wurden und werden die ganze Woche über nicht zuletzt im Hinblick auf die Sabbatruhe so exakt durchgeführt, daß ein frühzeitiges Erkennen der Aenderungen möglich ist, daß sofort neue Maßregeln ergriffen werden, wenn sie sich nur entfernt ergeben. So bewirkt die Sorge um die kommende Sabbatruhe eine größere Sorgfalt in der Krankenbchandlung überhaupt; weil ich am siebenten Tage ruhen will, muh ich an den sechs früheren doppelt arbeiten. Selbstverständlich kommt cs vor und muß cs Vorkommen, daß auch bei aller Sorgfalt am Sabbat selbst neue Maßnahmen für Lcichtkranke getroffen werden müssen; weiters kommen oft gerade am Sabbat neue Zuschübe von Kranken. Das sind dann die Zeiten, wo wir trotz inneren Widerstrebens selbst Hand anlcgcn müssen; denn nicht immer wird cs möglich sein, diese Maßnahmen durch andere vornehmen zu lassen. Wie schwer, wie wehmütig uns dabei ums Herz ist, das kann nur der bcurteilen, der selbst in der Lage war, einen Jssur begehen zu müssen, der selbst genötigt war, für Fälle, die ihm nicht gefährlich schienen, zu verbinden, zu verschreiben, zu fahren, zu reiten usw. Für solch; Fälle aber müssen wir uns immer aufs neue Vorhalten: ״Heute mußte der Sabbat entweiht werden, damit ist aber dem Sabbat selbst nichts ge-