Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Göttlichkeit einer Religion glauben könnte, so wärs an die der jüdischen," — Acht Wochen hatten wir miteinander zu tun. Achtmal wurde am Freitag Abend meinetwegen aufgehürt zu arbeiten; die Herren fuhren des Samstags auf Ausflüge, versammelten sich vor Nacht bei mir, studierten dann den Hinunel, um drei ersterschcincnde mittelgroße, einander nahe Sterne zu erkunden, und: voilä la troisiemc! rief da jemand; nach Maariw und Hawdolo nahmen wir die Arbeit wieder auf. — Tagtäglich speisten wir zusammen, jene opulent, ich kärglich. Mit rechtem Eifer trieben sie Früchte für mich auf, angelten mir Fische, die der Koch in meinem Gefäß auf meinem Herdblech kochte, und reichten mir oft das Holzscheit zu, das ich unterschob. Dann aber begab sich das folgende. Am Ende der langen Zeit hatte ich den Portugiesen eine tauch für Kriegszeit) — nicht geringe Geldsumme in einem Scheck auf London zu zahlen. Unglücklicher Weise war versehen worden, von der Londoner Bank die briefliche Bestätigung herbeizuschaffen, daß das Geld tatsächlich zur Verfügung stehe. Der Telegraph war durch Schneestürme nach Deutschland und England unterbrochen; Channucka stand Var der Tür, und ich wäre gern heimgereist. Ich konnte nichts tun als den Freunden meine Verlegenheit zu bekennen und sie um Wartezeit zu bitten. Zu kurzer Beratung zogen sie sich zurück und cröffneten mir sodann: ״Wir haben in all dieser Zeit gesehen, wie Sie Opfer für Ihre Überzeugung bringen; wir haben danach das Vertrauen, daß Sie keinen Scheck fertigen, dessen Betrag Sie nicht zur Verfügung haben." Und die grundbuchamtliche Übertragung des Besitzes erfolgte gegen einen nichtbestätigten Scheck. Damals schrieb ich meiner Frau: ״Es ist schon fast keine Mizwo mehr, cs ist schon eher ein Geschäftstrick, sich offen als Jehudi zu führen!"- In einer neutralen Hauptstadt, so ähnlich begann die Erzählung eines anderen Erlebnisses, habe ich während des Krieges viel mit unscrcin Gesandten, dem Grafen 'S.., und dem Lcgationsrat Prinzen D. zu besprechen gehabt. Der Graf, von bestrickender Liebenswürdigkeit, erquickend zwinkerndem Humor, erstaunlicher Arbeitskraft und bis späthin frisch, ließ mich oft zu vorgerückter Abendstunde kommen. Eines Donnerstags brach er um halb elf Uhr abends ab und bestellte mich auf den folgenden Abend. Als ich ihm meine Verhinderung durch den Sabbat vorstclltc, nötigte er mich mit Zigaretten nachmals in den Sessel und fragte eingehend und lange nach Einzelheiten des vierten Gebots, an dem ihn die Vorschrift der ״leeren Tasche" nm meisten fesselte. — Nach Monaten kam einmal an eincin Schabbos ein Hofrat mit einer Bestellung des Gesandten zu mir. Ich bat, wiederum unter Angabe des