Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 jbungerte Auftreten, die Ruhe und Stärke des Einflusses. Wer freilich seine ״Jüdischkeit" in stiller Herzenskammer verbirgt, wer sich bei der Einladung zum Austernfrühstück mit der Ausrede eines verdorbenen Magens drückt, wer das Glas Wein mit der Begründung ablehnt, er sei Alkoholgegner, wer die angebotene Verhandlung am Sabbat mit dem Hinweis auf angeblich anderweitige Verabredung umgeht — der hat von Vorneherein verspielt. Instinktiv fühlt, wenn nicht bei der ersten, dann nach wiederholten Gelegenheiten der mit solchen Ausflüchten bediente Andere, daß jener etwas zu verbergen habe. Der Argwohn steigt an des Bewußtseins Unterschwelle, und in der Seele regt sich das Tröpflein antisemitischen Giftes, das nun einmal vom Schöpfer — täuschen wir uns nicht! — dem Nichtjuden eingegeben ist. Ähnlich geht es, wenn der Jude nach einer Nachtreise sich gegen Trinkgeld vom Schaffner ein leeres Abteil auf ein Viertelstündchen einräumen läßt, um durch sein Beten in Tallis und T'fillin nicht ״Rischus zu machen". Angeblich tut er es, um Toilette zu machen — als ob irgend eine, und sei cs die unschuldigste Unaufrichtigkeit in derlei Dingen richtig und gut sein könnte! Ein anderer, der im Coups oder an fremdem Tische sitzt, träufelt sich einen Teelöffel Wasser — möglichst unauffällig — auf die Hand, trocknet diese — möglichst unauffällig — mit der Serviette, fährt sich — möglichst unauffällig — mit der flachen Hand über den unbedeckten Kopf, um rasch und unbemerkt die Mauzibrocho zu sprechen, ohne die Lippen dabei zu bewegen. Wiederum einer springt, — wenn der letzte Augenblick der Mincha-Frist im Abläufen ist, ans Fenster, scheinbar um interesfiert einen Vorgang draußen oder vom fahrenden Zug die Felder zu beschauen, haucht — unauffällig — in innerer Unruhe und Hast sein Sprüchlein ab und verschiebt zu aussss solloluum die Füße recht vorsichtig, damit die Anwesenden es nicht merken. Wozu, um des Hinunels willen, dieses Heimlichtun, als gelte es, Arglist zu verbergen? Zweierlei Antwort wird dem Fragenden: ״Man braucht die Kluft nicht unnötigerweise noch zu erweitern; ich bin für mich Jehudi, für die Außenwelt habe ich Mitbürger zu sein!" — ״Es hat kein Interesse für den Nochri und mir widerstrebt es, ihm lang und breit meine Mizwans zu erklären; das ruft nur unbequeme Fragen hervor, und verstehen täte er es d o ch nicht." Weit gefehlt! Erstlich ist die Klufterweiterungs-Ansicht grundfalsch, und zweitens hat der Nichtjude aller Stände, aller Bildungsgrade und aller Konfessionsschattierungen Interesse, Verständnis und, was wichtiger ist, lebhafte Hochachtung für den ungeniert und ungeziert vor aller Welt getreulich seine Pflichten übenden Jorei, im Gegensatz zum