Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 7 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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־V״T׳ - s - Iüdischkeit in der Außenwelt. Von G. Schmidt. Seit etwa drei Jahrzehnten gibt es in Deutschland einen Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Der Zcntralverein deutscher Staatsbürgcr jüdischen Glaubens tritt gleichfalls für die politischen und sozialen Rechte der deutschen Judenheit ein. Gewiß sind es tüchtige, bcrdicnstvolle Männer, die in diesen Vereinen eifrig wirken, und zweifellos ist cs ein llnrecht, daß unsere Söhne keine Oberstleutnants werden. Liest man die neutral- und linksisraelitischen Blätter, so findet man sie gefüllt von Klagen über Zurücksetzungen und von Stolz über nichtjüdische Ancrkennung unserer Notabeln, Helden, Lehrer und sonstiger Persönlichleiten, die in ihren kleinen und kleinsten Kreisen eine Rolle spielen. Wohl begegnen wir auch in gutjüdischcn Zeitschriften ab und zu einem Einspruch gegen antisemitische Ausfälle — aber doch selten und mit dem Eindruck, als ob man nur zögernd seine Spalten dazu hergibt. Warum der Eifer links und das Widerstreben rechts? Die Antwort liegt auf der Hand. Der ״charmante, wackere Bürgersohn, aber, aber — dürftige Prophetenschüler" idem Direktor Hirsch unvergänglichen Andenkens pflegtcn bei diesem Ausdruck die Nasenflügel leise zu vibrieren, — wirbt um Eiulaß in die nichtjüdischen Familien. Er bringt das Opfer unterdrückten Stolzes in der Hoffnung, sich allmählich vom liberal Geduldeten zum anerkannt Gleichgestellten durchzusetzen, vom Fremdling an der Gasttafel zum Einheimischen beim intimen Mahl. Da kommt eine bitterböse Redewendung im Abgeordnetenhaus über Nasenform und Haarfärbe und macht ihn nervös. Er setzt den Zentralverein in Bewegung, beklagt sich bei seinem freisinnigen M. d. R-, und die Zeitungen zur Linken bekommen Stoff. Unsereiner ärgert sich mit, aus Brüderlichkeit, Stammcsgefühl und weil die Beweggründe der Angriffe infam sind. Aber neben dem nassen Auge lächelt das zweite aus dem Gefühl heraus: uns geht die ganze Geschichte nicht übermäßig nahe, weil unser Ehrgeiz nach ganz anderer Richtung zielt als der des begossenen Bruders. In unseren berilfsfreien Stunden gehören wir uns und den uns gleich Gesinnten, finden wir gar nicht die Zeit, fühlen wir gar nicht den Trieb zum Verkehr mit denen, die einer ganz anders gearteten Welt- und Lebensanschauung huldigen. Je mehr wir in den Mußestunden auf unserem ureigensten Gemüts- und Geistesboden an dem ״Quell lebendigen Wassers" getrunken haben, umso sicherer treffen wir im beruflichen und gesellschaftlichen Verkehr mit der Umwelt das freie, unge-