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Blätter · 1917-07-01 · 6 (7.1917) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
6 (7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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••־־*V. — 11 - Wenn unsere Ortsgruppen den Agudoh-Gedanken recht »erstehen und sich nicht mit Beiträgen allein ihrer Pflicht gegen die Agudo entledigen wollen, so m ü s s e n sie sich dieser Brüder und Schwestern ans Polen annehmen: Wo einzelne Arbeiter sich bei Handwerk- oder Gewerbetreibenden finden, da muß man dafür Sorge tragen, daß sie am Schabos arbeitsfrei werden, und daß sie koscher essen können. In jeder Ortsgruppe wird sich doch Wohl ein Mitglied finden, das Beziehungen hat oder Herstellen kann zn dem Arbeitgeber; denn nur in persönlicher Aussprache und bei giltlichem Zureden sind die genannten Wünsche zu erreichen. Wo eine größere Anzahl Arbeiter beisammen ist, muß der Rabbiner, der Lehrer oder ein anderes einflußreiches Mitglied der Gemeinde mit dem Arbeitgeber sprechen und diesem die notwendigcn religiösen Wünsche Vorträgen. Nach gemachten Erfahrungen wird cs oft möglich sein, daß man anstelle der Schabbosarbeit den freien Sonntag zur Arbeit anbictct. Gerade die Landwirte werden dieses als Entgegenkommen ofr gerne annchmcn, weil die nichtjüdischen Arbeiter an solchen Tagen nur unwillig oder gar nichts leisten. Es-muß jetzt schon vorgesorgt werden, daß die Leute wenigstens an den Jomim Tauwim arbeitsfrei werden und an einem Minjan am Orte oder in der Nähe teilnchmcn können. Wird nicht alles erreicht, sondern nur ein Teil, so ist auch schon viel getan, und diese armen Menschen sind dem religiösen Leben wieder näher gebracht. Es ist aber nicht allein damit getan, daß man sie vor Jssnrim schützt: Diese wcltuncrfahrenen, hilflosen Menschen, viele auch von schwankcndcm Charakter, müssen gestützt werden, damit sie nicht weiter sinken, sondern durch das Beispiel und die Mahnung charakterfester Juden in Deutschland in ihrer eigenen Ansicht und Lebensführung gestärkt werden. An Abende»!, am Schabbos, am arbcitsfreien Sonntag trete man in persönliche Fühlung mit ihnen, man gebe den sich dafür Eignenden Gelegenheit zn Schiurim, gebe den anderen passende Lektüre in der Jaroonspraehe in die Hand; man vermittle Briefe für sic in die Heimat, man übernehme Geldbcsorgung und Geldaufbcwahrung: kurz, man erfülle seine jüdische Nächstcnlicbc bei diesen Brüdern und Schloestern, damit sie wissen, daß auch hier in Deutschland mitfühlende und verstehende Jehudim wohnen. *

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