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Blätter · 1917-06-01 · 5 (6.1917) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
5 (6.1917)
Date
1917-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 boje gegenüber! da seien Assrmilanten, Zionisten und Indifferente. Um nun au ״ all diesem Gewirr von Ansichten, Lebensanschanungrn und religäsen Kämpfen glüctriich herauszukonnnen, ״nehmen die Ingendvereine zu den verschiedenen Richtungen im Judentum keinerlei Stellung ein-"*) Dar soll nun beileibe nicht heißen, daß den Mitgliedern der neutralen Jugendvereine all die schweren religiösen Kämpfe der Gegenwart vorenthalten werden^ Im Gegenteil, durch Vorträge und Diskussionen sollen die Probleme aufgerollt und erörtert werden. ״Aber jede Agitation, jedes ״Festlegen" der Mitglieder auf eine bestimmte Anschauung ist verboten."*) Wir stehen ja heute allem, was sich'neutral nennt, mit einer ganzen Portion Skepsis-gegenüber. Gibt es denn überhaupt wahre Neutralität? Hört sie nicht in dem Augcnbliek auf zu bestehen, wo ihre Träger glauben, auf einer Parteiseite besser zu fahren? Und wenn auch politisch bewahrt, neigen die Neutralen in Leben, Denken und Handeln nicht einer bestimmten Partei zu? Kann man überhaupt da abseits stehen und seine Objektivität bewahren, wo ein Kampf ansgefochten wird, der die eigensten Geistes die eigensten Lebensinteressen berührt? Nein, das hat der Krieg zur Genüge bewiesen. h Und ebenso wenig, ja noch hundertmal weniger kann eine Vereinigung der jüdischen Jugend neutral, wahrha't neutral geleitet werden. Immer dreht es sich hier um Fragen, die Leitung und Mitglieder auf's heftigste bewegen. Und da ist es doch klar, daß die Leitung nichts versäumen wird, um ihren Standpunkt auch auf den von ihnen geleiteten Verein zu übertragen, ihre Ansicht zu verbreiten und durchzusetzen. Nehmen wir einen praktischen Fall, der sich vielmals in Deutschland ereignet hat. Im Jahre 1913 erschienen die ״Richtlinien", wirbelten viel Staub aus, schufen einen derartig leidenschaftlichen Kampf der Meinungen in jüdischen Kreisen, wie er seit Jahren nicht mehr erlebt ward. Ein Ereignis von solcher Bedeutung und Tragweite konnte natürlich auch im neutralen Verband nicht unterschlagen werden, und so erschien denn in der Vcrbandszeitschrist eine glänzende Rechtfertigung dieses Produkts der liberalen Rabbiner aus der Feder des Herrn Dr. Vogelstein. Und erst auf dringende Mahnung eines Bundcsvereins, dessen Leitung ganz zirfällig in religiös-konservativen Händen ist, wurde in das Verbandsorgan später auch ein Gegenartikel eines gesetzestreuen Rabbiners nufgenoinineir. Und was sich hier im Verbände als solchem ereignete, kehrte in viel krasserer Form in sämtlichen Vereinen wieder. Da wurden Vor- *) a a• O. Seite 45.

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