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Blätter · 1917-06-01 · 5 (6.1917) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
5 (6.1917)
Date
1917-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 V. Unk endlich als dritte Größe hatten wir den ״Verband der jüdischen Iugendvereine Deutschlands" in unser Kalkül einzusetzen. Er ist die größte der besprvchenen Organisationen, umfaßt heute 128 Vereine*) mit zirka 30 000 Mitgliedern, ist verbreitet über ganz Deutschland, ziemlich gleichmäßig verteilt auf große, mittlere und kleinere Städte! wird materiell unterstützt von den Synagogengemeinden, den Logen, den sogenannten Förderern (b. h, außerordentlichen Milgliedern, deren Mitgliedschaft eben in der materiellen Hilfeleistung sich erschöpft) und einer ganzen Reihe anderer großer Organisationen und kapitalkräftiger Vereine! wird geleitet von einem vielköpfigen Vorstand und einer besoldeten Sekretärin. Alles in allein, ein großzügig aufgebanter Verband, der allx Erfahrung, die ini Vereinswese» während der letzten Jahre gesammelt wurde, für seine Zwecke auszunützen bereit ist Was ivill aber diese Organisation, worauf zielt sie hin, was ist ihre innere Berechtigung? Was will sie von der jüdischen Jugend? Die Fragen sind leichter gestellt als beantwortet. Denn auch hier handelt es sich wiederum nicht um eine Truppe, die sich selbst aus innerer Notwendigkeit gebildet hat, die geschaffen ist durch unsichtbare, elementare Kräfte, die die deutsche jüdische Jugend ans sie hindrängt. Nein, auch hier ward wieder ein Programm entworfen, und mit diesem Gedanken- Produkt in der Hand zog mau aus, durchwanderte ganz Deutschland und machte Propaganda, gründete allenthalben Vereine, mit der Absicht, die jüdische Jugend zusammenzuschließen Ein Ideal, eine hehre große Idee, nach welcher alle Jugend dürstet und schmachtet, wurde nicht in den Mittelpunkt gerückt Das konnte man auch schlecht mit Rücksicht auf die Haupttendenz des Verbandes: Die Neutralität, Um dieses Wort dreht sich das ganze?Verbandsleben, Es ist der Maßstab, nach dem alles beurteilt, an dem alles gemessen wird. Und zwar alles gemessen wird, seien es nun Fragen politischer, seien es Fragen religiöser Natur, oder was auch sonst immer. Erst muß Fräulein Neutralität gehört werden! Man geht von der Ansicht aus, daß es in der Iudeuheit die verschiedensten Richtungen und Schattierungen gebe. Der Begriff Judentum stände ganz und ga> nicht fest. Da seien Leute, die es als nationale Gemeinschast aufsaßten, andere als sozialkulturelle und wieder andere als rein religiöse. Und zwischen diesen ständen sich wieder Liberale und Ortho- *> Dr, Cöra Berliner: Die Organisation der jüdischen Jugend in Deutschland. Berlin 1916, Seite 21.

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