Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 4 (5.1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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chen Kehillaus längst erreicht. Vor mir liegt ein Brief eines Gefangenen, der Mann ist Glaser in seiner polnischen Heimat. Er war Mit 13 anderen Jehudim in ein winziges Lager fern von der Eisenbahn und sonstiger Verkehrsgelegenheit, verschlagen worden. Dort schrieb er wegen Seforim und Ritualien. Ich schickte sie ihm und erhielt darauf folgenden Dankbrief: היום קבלתי תפלין וציצית ולוחות ומסכת קדושין אינני אוכל לתאר אין גודל השמחה שהי׳ אצלנו באותה שעה שקבלנו את הגמרא קדושין והתפלין והצצית השמחה חי׳ אצלנו כאלו קבלנו הגמרא מהר סני כי זה יותר משני שנים אשר לא ראיתי גמרא בעני ולכן תיכף ומיד התחלנו ללמוד בה. Welch tiefe Jiroh und Ahawas Haschem liegt in diesen Zeilen. Haschem boruch hu führe diese Jehudim bald wieder in ihre friedlichen Verhältnisse der polnischen Kehillaus zurück! Einen anderen Gruß aus einem Gefangenenlager bringt mir eine Sendung, deren Anblick mich tief ins Herz ergriff. Auf einem Beizettcl standen die Worte: הנה בזה נצרר קרעים מם" ת הק׳ אשר נמצאו בירי השבויים מארץ ענגלאנד במחנה סדענדאל. Die Engländer hatten sich Stiefelsohlen daraus geschnitten und einen Spielball daraus gemacht. Sie hatten diese יריעות von rumänischen Kriegsgefangenen gekauft. . . .! Nun etwas von ihrer Sichas Chulim! Jargon-Bücher und -Zeitungen sind am meisten erwünscht. Es ist schwer, geeignete Buch-Lektüre zu finden. Ich wäre unseren Lesern sehr dankbar, wenn sie durch Zuwendimg solcher Schriften oder auch nur durch Beratung dazu behilflich sein wollten. Von Zeitungen wird, abgesehen von deutschen Tagesblättern, die in die Lager gebracht werden dürfen, jetzt besonders gerne das ״Jüdische Wort" gelesen. Man freut sich, daß zum ersten Male eine Zeitung religiöser Gesinnung in Polen erscheint und daß man nicht mehr auf die religionslosen großen dortigen Tageszeitungen allein angewiesen ist. Am Anfang des Krieges hörte man die Leute oft ihre Wehmutsvollen und melodischen Jargonlieder, abwechselnd mit Semiraus, singen. Allmählich hat das aufgehört. Auch der Schmerz und die Sehnsucht ist ruhiger geworden, und der Mund ist für das Lied verstummt. Eine Pflicht wird m. E. bei uns immer noch nicht genügend erkannt. Die jüdischen Kriegsgefangenen, der Schätzung nach zwi-