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Blätter · 1917-05-01 · 4 (5.1917) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
4 (5.1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I I Masurischen Seen mit Jehudim aus Polen und aus Rußland stark bevölkert. Fast drei Jahre befindet sich der größte Teil von ihnen in Gefangenschaft, und seit dieser Zeit bin ich ihnen nahegetreten, habe ihr Leben und ihr Leiden, ihr Denken und ihr Wollen kennen gelernt. Wollte ich von ihnen erzählen, von all den Beobachtungen und Erfahrungen, die ich bei ihnen gemacht, von dem tiefen Einblick, den ich dort in die Seele der Juden des Ostens gewonnen habe, so würde dieses weit über den Rahmen eines kurzen Berichtes für unsere Monatsblätter hinausgehen. Nur wenige Notizen seien unseren Lesern im Folgenden gegeben. Zu Hunderten treffe ich unsere Jehudim oft in einem Lager. Was sie bedrückt, das ist einmal die Sorge um die Ihrigen in der fernen Heimat und dann der Wunsch, nach Möglichkeit ihr gewohntes jüdisches Leben im Gefangenenlager fortsetzen zu können. Mir stehen vor Augen aus dem Nichts geschaffene Kehillaus, deren ausgeprägt jüdisches Leben in einfachen Holzbaracken — zum Teil von den Gefangenen selbst eingerichtet - sich abspielt. Ein Bes hakneses, in dem sich morgens beim Tagesgrauen Minjonim zusammenfinden, in den, tagsüber die Tefillin hängen, damit sie jedem bereit stehen, der irgendwie Zeit findet für seine Tefilloh, in dem Tefillaus, Chumoschim, Tehillim und Gemoraus für die Besucher zur Verfügung liegen. Die Leute haben gequält und oft unter Tränen gebeten, man solle ihnen dazu verhelfen, daß sie wieder ״lernen" und in gewohnter Weise ״dawenen" können. Es wurde nach Möglichkeit gegeben; unsere Agudo, die Freie Vereinigung, auch andere Vereinigungen und viele Jechidim stellten Seforim oder Geld dafür zur Verfügung. Vielfach aber haben die Gefangenen ihr schwer und kümmerlich verdientes Geld zur Beschaffung eigener Seforim oder anderer Tefillin hergegeben. Wo sich Maggidim befinden, wird mit Hilfe von Sifre Midrosch und Mussor am Schabbos Droscho gehalten, wo Melamdim sind, am Schabbos oder an arbeitsfreien Tagen Schiur gelernt. Häufig erhalte ich von ihnen שאלות, für die sic als הלכה למעשה von mir die תשובות erbitten. In verschiedenen Lagern sind Chewraus begründet, um die Armen und Kranken zu unterstütze,l, für Meisstm, die leider auch manchmal dort zu bestatten find, die notwendigen Tachrichin zu beschaffen. ״Umi keamcho jisroel", wie oft dachte ich so mit Stolz und Genugtuung, wenn ich in solche Lager kam. Der Sechar Halicho für die beschwerliche Reise ist durch eine Stunde des Aufenthalts in sol-

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