Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 1/2 (Januar-März 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 d. h. inneren Wert zu beurteilen. Auch der Antisemitismus zog seine beste Kraft aus der überlauten Betonung des Nationalen. Man konnte als Antisemit Haß und Verfolgung predigen und doch Anspruch auf kulturelle Bildung machen — geschah doch alles aus nationalen Beweggründen. So wurde die öffentliche Anschauung vergiftet, man schuf eine Kultur ohne Zivilisation, und darf sich nicht wundern, wenn sic die Belastungsprobe des Krieges nicht bestehen konnte. Was man als Völkerrecht so fest aufgebaut glaubte, es stürzte wie ein Kartenhaus zusammen, weil es nicht im Bewußtsein der Völker verankert war. Soll es deshalb nach dem Kriege besser werden und die Menschheit vor einer ähnlichen Katastrophe behütet werden, so lerne man im Menschen wieder den Menschen achten, man gewöhne sich, wieder mit sittlichen Maßstäben zu messen, man setze die Liebe auch im Völkerleben wieder in ihre uralten Rechte ein. Man hüte sich aber auch — schon während des Krieges — den Krieg als Regenerator der Menschheit zu verherrlichen! An Stelle des „Heroismus des Krieges" setze man den „Heroismus der Liebe", der gerade nach dem Kriege ein so großes Betätigungsfeld finden wird. Dann wird die strenge sittliche Forderung, wenn sie erst der Einzelne an sich selbst stellt, zum Gemeingut der Menschheit werden und so dem Staatsleben und dem Leben der Völker untereinander seinen Stempel aufdrücken. Dann wird der „ewige Friede" keine Phantasie mehr sein, sondern Wirklichkeit werden, als welche sie bas Judentum schon immer verkündet hat." Außerdem fanden Aussprach-Abende in kleinem Kreise statt. Auch die Mädchengruppe hatte neben ihren planmäßigen Lehrkursen verschiedene Vorträg und gemütliche Zusammenkünfte. Erfreulicherweise hat eine größere Zahl von Freunden unserer Bestrebungen durch namhafte Spenden den infolge dauernder Einziehung von Mitgliedern der Jugendgruppe eingetretenen Ausfall an Jahresbeiträgen einigermaßen ausgeglichen. Der Feldversand an unsere unter den Waffen stehenden Freunde besorgt in bester Weise das Büro der Agudas Jisroel- Jugendorganisation. Cöln. Der Krieg verschont nichts und niemanden, überallhin senkt er seine dunklen Schatten, und seine zersetzende und vernichtende Wühlarbeit macht sich allerwärts geltend. So im privaten, so im Geschäftslcben und ganz besonders im öffentlichen Leben. Hier griff die