Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1917-01-01 · 1/2 (Januar-März 1917) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
1/2 (Januar-März 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641082-9641084--0272-6468314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das jüdische Kulturproblem im neuen Königreich Polen. Auszug aus einem in der Jugondgruppe der A. I- Frankfurt a. M. gehaltenen Vortrag. Das jüdische Kulturproblem, das wir in Deutschland gewohnt sind in dem Schlagwort Thora im Dcrech Erez als formuliert und gelöst anzusehen, beschäftigt augenblicklich in Polen Herz und Gemüt von Tausenden unserer Brüder, die aus östlicher Abgeschlossenheit mit einem gewaltigen Ruck unter dio Träger europäischer Kultur hineingeschlcudert wurden und sich mit dieser auseinandersetzen müssen. Aber auch bei uns in Deutschland wird die Frage lebhaft besprochen, wie ein Blick in die Zeitschriften lehrt. Und es ist gut so, es muß so sein. Selbst diejenigen, die auf die Lösung der Frage keinen unmittelbaren Einfluß nehmen können, dürfen nicht gleichgültige Zuschauer einer Entwicklung sein, die über das religiösgeistige Geschick der Thora. Hochburgen Polens entscheiden wird. Nichts Jüdisches darf uns fremd und fern sein. Aber auch noch ein anderes: cs ist unsere Frage, denn die Entwicklung in Polen nlutz notwendig auf uns zurückwirkcn; schließlich aber schadet cs auch nicht, wenn unser Standpunkt bei dieser Gelegenheit von neuem durchdacht ivird. Wie stellt sich die jüdische öffentliche Meinung Polens zu der Frage? Wir fassen lediglich die religiös orientierten Kreise ins Ange. Daß Zionisten und Assimilanten von vornherein unbedingten Anschluß an Westeuropa fordern, liegt in ihrem Programm. Bildungsfreunde in unserem Sinne mag es einzelne geben, einen scharf umrissenen Standpunkt vertreten sie bis jetzt nicht. Unter den Bildungsgcgnern sind zweierlei zu unterscheiden: solche, die mehr praktische Bildungsfeinde sind, die auf die Verheerungen Hinweisen, welche die Berührung mit westeuropäischer Kultur im religiösen Leben der Judenheit angerichtet hat und solche, die sich prinzipielle Gegner nennen, die im Kreise der Chassidim zu suchen sind. Sie halten die Beschäftigung mit profanem Wissen an und für sich für eine Beeinträchtigung der jüdischen Aufgabe. Diese Bildungsgegnerschaft hat in Rabbiner H. Lichtenstein, der allerdings in Galizien, nicht in Polen, lebte, einen sehr energischen literarischen Vertreter gefunden. Bemerkenswert ist indessen, daß selbst in solchen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.