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Blätter · 1917-01-01 · 1/2 (Januar-März 1917) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
1/2 (Januar-März 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 bungsarbeit, die trotz verbindlichster Versprechungen an Moses Montefiore anläßlich seiner Anwesenheit in Bukarest, wo er vom König Karol empfangen wurde, mit all ihren Begleiterscheinungen säst ohne Unterbrechung bis zur Gegenwart andauerte. Für die im Lande verbliebenen Juden — sie zählen immer noch 300 000 Seelen — beginnt ein verzweifelter Kampf um Brot und Recht, der in den letzten Jahren mit jedem Tage an Schärfe zunahm. Ein „Verband rumänischer Juden" trat ins Leben, hielt Versammlungen ab und schickte ein Memorandum nach dem andern an die Regierung. Diese papierne Aktion, die nachgerade eine stehende Rubrik in den jüdischen Zeitungen bildete, zeitigte nicht das geringste greifbare Resultat. Minister wechselten, Regierungen lösten sich ab, auch ein Thronwechsel erfolgte im letzten Jahre, die Politik blieb die gleiche, getragen von Böswillcn, Mißtrauen und Niedertracht, gekennzeichnet durch Lieblosigkeit und schmählichen Verrat nach innen und außen. Schriftsteller und Politiker, jüdische und nichtjüdische, des In- und Auslandes, suchten das „europäische Gewissen" zu bewegen, das Augenmerk der Kulturwelt auf die Vergewaltigung des Menschenrechtes und die Mißachtung der Großmächte, die sich für die rumänische Verfassung verbürgt hatten, in Rumänien hinznlenkcn. All diese Stimmen verhallten, gingen in Schall und Ranch auf. Rumänien hatte seinen Artikel 6, der bestimmt, daß „ein Fremder keine politischen Rechte besitzt". Was heimisch oder fremd im Lande sei, darüber hatte man in Bukarest selbst zu bestimmen und man ließ sich von außen nicht Hineinreden. Es mußte erst der allumwälzende und allumwertende Völkerkrieg kommen, um der Gerechtigkeit eine blutige Gasse auch nach dem Moldaustaat zu bahnen. Run ist am 6. Dezember 1916 Bukarest, die Residenz des klassischen Judenhasses, fast ohne Kampf in die Hand der siegreichen Heere gefallen. Damit rückt die rumänische Judenfrago in den Kreis der Fragen ein, die bei endgültiger Neuordnung der Dinge auf der Friedenskonferenz, wie wir hoffen, unter dem Diktate Mitteleuropas, ihre Lösung finden werden. Die Sicherstellung des jüdischen Rechtes in Rumänien wird mit zu der ethischen Beute gehören, die wir als höchsten Siegespreis von der nahen Zukunft erwarten.

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