Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 8 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 keineswegs alle nach Osten zu angeordnet; der Platz für den Vorbeter befindet sich auf dem Almemor; hinten, unterhalb der Frauengalerie ist ein kleiner Aufzug angebracht, der - da kein Mann, auch nicht der Schammes, zu den Frauen hinaufsteigen darf -- dazu dient, nach dem Ausheben die Wimpel der Sefer Tauro auf die Galerie zu befördern, wo sie von Hand zu Hand wandert, um von jeder Beterin geküßt zu werden. Den ortsfremden Besucher ehrt man, indem man ihm das Vorbeten „mechabed" ist. übrigens ist die Synagoge gegenwärtig in einem ganz verwahrlosten Zustand: der Steinboden großenteils aufgerisscn, die ganze hintere Synagogenhälfte ausgefüllt mit hochaufgetürmten Bänken und Tischen aus der Schule, die augenblicklich zu militärischen Zwecken benutzt wird. Unweit von der Synagoge treffen wir den „Chacham" von Ueskueb (ein eigentlicher Rabbiner existiert dort nicht), einen älteren Mann, der in seiner Jugend ein wenig Mischnijaus gelernt haben mag, aber heute keine wesentliche Reminiszens daran mehr hat, der aber immerhin hebräische Kenntnisse besitzt, auch wie im ganzen noch drei bis vier Einwohner - sich mit uns auf Loschaun Hakaudesch unterhält und einen verhältnismäßig guten Eindruck macht; sein begabter, etwa 15 jähriger Sohn spricht ein reineres Französisch, als ich es irgendwo in Französisch-Lothringen oder selbst in Flandern gehört habe, und gibt gegenwärtig sogar französischen Unterricht! Wir treffen weiter unten den gegen die Straße offenen Geschäftsladen einer Bäckerei, bei der ich zusah, wie gewissermaßen auf freier Straße in einer sehr kriegsmäßigen und keineswegs sorgfältigen Weise Mazzos gebacken wurden. Wir treten in eines der inwendig, aber nicht von außen mit Mesusoh versehenen, meist recht ärmlichen Häuser des Judenviertels ein; von der fremdartigen, sehr primitiven Zimmereinrichtung fällt uns vor allem ein Becken mit glühender Asche oder Kohlen zwecks jederzeitiger Bereitstellung türkischen Kaffees auf; wir bemerken, wie — um aus zahlreichen Einzelheiten in Wohnung und Kleidung nur noch eines herauszugreifen — die Hausfrau ihre Mitgift in schimmernden, zu einer Kette aneinandergereihten Goldstücken um den Hals oder an der Haube, namentlich an der Schabbos-Haube, trägt. Beim Weiterwandern durch die Straßen dieses oder eines der benachbarten Viertel können wir mit jüdischen Soldaten der bulgarischen Armee eine französische Unterhaltung anknüpfen, in deren Verlauf sie uns erzählen, daß die jüdischen Verhältnisse in S o f i a in vielen Beziehungen denen in Ueskueb