Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 8 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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1B ühneln, und wir können ferner in jedem Tabakladen Zigaretten- Vapier aus Saloniki kaufen, dessen Umschlag in fünf Sprachen und ebensovielen Schriften bedruckt ist, nämlich türkisch, bulgarisch (mit russischen Lettern), griechisch, spaniolisch (mit hebräischen Lettern) und teilweise französisch. Verlassen wir endlich die Stadt in der Richtung des Europäerviertels, um den hier aufragenden Berg zu besteigen, so bemerken wir nach einer Weile Manderns mit Verwunderung, wie der Boden des Wegs, auf dem wir gehen, und die diesen zu beiden. Seiten zahlreiche lange verwitterte Steinplatten uufweisen; bei näherem Zusehen bemerken wir auf der einen oder anderen dieser Platten Schriftzeichen und erkennen bei genauerer Untersuchung der Umgebung, daß wir uns mitten auf dem durch keinerlei Einfriedigung oder sonstige Zeichen kenntlich gemachten Friedhof der jüdischen Gemeinde Ueskueb befinden, dessen Grabsteine Wit Jnschriftten in spaniolischer Sprache, aber hebräischen Lettern bersehen, nicht aufrecht stehen, sondern flach auf dem Boden liegen, dessen ältere Teile völliger Verwahrlosung anheimgefallen sind, und über den Spaziergänger wandeln und Karren fahren, und auf dem Viehherden weiden. Es ist inmitten der gegenwärtigen Trübsal und Schreckenszeit so vieler Nationen und ganz besonders des jüdischen Volkes, eine doppelt unerfreuliche Ausgabe, aus einer in jüdischer Beziehung verhältnismäßig wenig vom Krieg betroffenen Gegend eine im llroßen und ganzen so betrübliche Folge jüdischer Eindrücke aneinanderzureihen. Und doch: wenn auf eine Aenderung des der Assimilation zustrebenden Wegs der an sich nicht zahlreichen Juden Alt- Serbiens wohl wenig Hoffnung zu setzen ist, so müssen uns die Erlebnisse und Erfahrungen bei der auch schon der Zahl nach wesentlich bedeutsameren Judenheit Mazedoniens und der angrenzenden Gegenden mit aller Deutlichkeit vor Augen führen, welch große und sorgenschwere Fehler das wesentlich von französischem Geist getraüene Erziehungswerk der letzten Jahrzehnte in diesen Territorien begangen hat, und welch eine dringende und heilige Aufgabe für alle von lebendigem jüdischen Denken, Können und Wollen erfüllten Kreise der Judenheit es ist, nach dem Krieg einem wahrhaft jüdischen Erziehungswerk auch in diesen Balkanländern neben den ähnlichen Aufgaben im Osten und in Palästina die besten Kräfte Zu widmen. Wenn durch diese Zeilen in einem oder dem andern unserer jungen und älteren Freunde diese Erkenntnis und dieses In-