Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 8 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 jüngeren Belgrader Juden überhaupt nicht mehr zu finden scheinen, so wird man sich über ein künftiges irgendwie positives und lebendiges jüdisches Leben in Allserbien kaum irgendwelchen Hoffnungen hingebcn können. Völlig anders liegen die Verhältnisse in Mazedonien, wo die sephardischen Juden zwar auf einem zuletzt serbischen, jetzt de facto bulgarischen Territorium, aber in einem durch und durch türkischen Milieu leben und in unmittelbarem äußeren und inneren Konnex mit den türkischen Juden stehen, zu denen ich hier in kulturellem Sinn auch die Juden Bulgariens und Salonikis zähle. Aus U e s k u e b, der hochinteressanten und einzigartig schön gelegenen Haupsttadt Mazedoniens, in der das jüdische Element Wohl an ein Fünftel der Bevölkerung heranreicht, Will ich hier einige jüdische Eindrücke festhalten, nicht ohne gleich zu Beginn hervorzuheben, daß nach schriftlichen und mündlichen Berichten in M o n a st i r , der zweiten jüdischen Großgemeinde Mazedoniens, die jüdischen Verhältnisse weitaus günstiger liegen sollen. Hat man in Ueskueb das —- sich keineswegs etwa durch europäische Reinlichkeit in den Hänsern auszeichnende - Europäer- Viertel, in dem sich auch eine von einer Ungarin rituell geführte Restauration befindet, durchwandert und überschreitet man die große Brücke über den Wardar, von der der entzückte Blick durch die unsagbar klare Luft auf das Häusermcer der Stadt mit den vielen aus ihm hervorragenden, im Sonnenschein blitzenden Moscheen und Minarets, auf die hochgelegene Zitadelle, die ringsum liegenden Matten und Hügel und auf die schneebedeckten Berge schweift, von denen sich das tiefe Blau des Himmels leuchtend abhebt, und betritt man dann das jenseitige Ufer, auf dem außer dem Judenviertel noch das zu gewissen Zeiten von unsäglich lebhaftem Gewühl und Getriebe in allen Trachten und Sprachen der Welt erfüllte Türkenviertel mit seinen Verkaufsläden, Moscheen, Harems und Bädern und endlich das vielleicht noch interessantere, weitausgcdehnte Zigeunerviertel liegt ,so stößt man gleich bei den ersten Schritten auf anständig gekleidete, an der Straße sitzende Jungen, die sich ruhiger und ziemlicher, als dies sonst dort üblich ist, dazu anbietcu, dem Wanderer die Schuhe zu putzen. Versucht man, während dieser geschickt und genau vorgenommenen Arbeit ein Gespräch anzuknüpfcn - im allgemeinen hat man damit ohne eigene slawische oder türkische Sprachkenntnisse kein Glück —, so ist man erstaunt, hier am Eingang zum Judenviertel-