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Blätter · 1916-12-01 · 8 (12.1916) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
8 (12.1916)
Date
1916-12-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 bekannt sind; die einzige uns gemeinsam bekannte Melodie, die ich «uffinden konnte, ist die sog. zionistische. Aus dem von unseren sehr verschiedenen Machsor möchte ich nur beispielsweise als eine mir und diellcicht auch anderen interessante Einzelheit erwähnen, daß Gabirols „Schaufel kol Hoorez", diese Wohl wertvollste Perle mittelalterlicher hebräischer Dichtung und Gesühlswärme (bei uns Pismaun im Morgengebet von Jaum Kippur) dort in der Liturgie von Rausch Haschono vorkommt. Endlich will ich auch noch hervorheben, welch erstaunliche, ja völlige Unkenntnis über ihre eigene Herkunft und die spanische Zeit bei diesen Spaniolen herrscht; besser sind sie über die jüngste Geschichte' der Juden in Serbien unterrichtet, und namentlich die — freilich lener erkaufte — seit mehreren Jahrzehnten theoretisch Wie praktisch geltende Gleichberechtigung der Juden hört man immer erneut rühmen. Anders und noch weit weniger erfreulich sind die Verhältnisse bei den Generationen der „Reuen Zeit". Hier herrschen nicht mehr altjüdische Tracht und liebevolle Freude am Gottesdienst, sondern letzte Pariser Mode, Wiener Kunst- und Theaterneuheiten, westeuropäische, mehr oder weniger verstandene „populäre" Wissenschaft; nicht Spaniolisch bildet mehr die allgemeine Umgangssprache (verstanden und nötigenfalls auch gesprochen wird es noch allgemein), sondern Serbisch, neben dem die deutsche und vielfach auch noch die französische Sprache völlig beherrscht wird; jüdisches Wissen ist kaum mehr andeutungsweise vertreten; nach den Speisegesctzeu lebt man in Belgrad, nicht aber auswärts, wo es Unbequemlichkeiten mit sich bringt; die Geschäfte sind fast durchweg an Sabbath und Festtagen (ausgenommen Rausch Haschono und Jaum Kippur) geöffnet, und Man staunte, weil ich bemängelte, daß die Kinder unter selbstverständlicher Billigung des Rabbinats ausnahmslos in den Schulen an Sabbath schreiben; die jungen Leute, die jetzt in der Regel der serbischen Arniee als Offiziere angehören, haben vielfach studiert, und zwar fast alle in Wien, großenteils auch noch an deutschen Universitäten; das Familienleben ist sehr gelockert, naturgemäß auch das Verhältnis zu den der alten Zeit angehörigen Eltern oder Großeltern getrübt. Viele dieser jüngeren Familienmitglieder haben unter den staatlichen Zuständen und Vermögensverlusten während des verflossenen halben Jahrzehnts mindestens vorläufig den festen Vorsatz, Nach Kriegsende nach Mittel- oder Westeuropa auszuwandern; bebenkt man zudem, daß sich Angehörige der „Alten Zeit" unter den

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