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Blätter · 1916-09-01 · 7 (9.1916) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
7 (9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 gemeinschaft in Belgrad unterscheidet sich kaum von entsprechenden Kreisen in Berlin), kann diese Zweiteilung heute allgemein vvrgenommen werden. Die der alten Zeit angehörige Generation, in Familie und Gemeinde ausschließlich die ״jüdische", d. h. die spaniolische Sprache gebrauchend, daneben mit dem Serbischen und auch meist mit dem Türkischen völlig vcrtraut, hingegen — namentlich im weiblichen Teil — in der Regel keine weitere Sprache beherrschend, ist auch im übrigen größtenteils den alten Sitten treu geblieben, so namentlich in Kleidung, Haartracht, Innigkeit des Familienlebens, Gastfreundschaft, religiösen Gebräuchen. Das Religionsgesetz wird (wenigstens im Frieden) im großen und ganzen befolgt, auch unter den gegenwärtigen schweren Verhältnissen bemühen sich noch die meisten dieser alten Generation, koscher zu leben; regelmäßige Betet« ligung am Gottesdienst spielt eine wichtige Rolle und scheint einem innerlichen Bedürfnis zu entspringen. Dagegen ist die Kenntnis des Hebräischen äußerst gering, in den besseren Fällen bei den Männern vielleicht eben zum Verständnis der Hauptgebete hinreichend; von intensivem Studium der Tauro, geschweige denn von irgendwelcher Beschäftigung mit Schaß und Pauskim ist keine Rede, ein Begleiten intb Erfüllen des reltgiösen Tatlebens mit Gedanken kaum anzutreffen. Über das Niveau der offiziellen und inoffiziellen Gemeindebeamten konnte ich mir nicht mit Sicherheit ein Urteil bilden; doch scheinen auch die jüdischen Kenntnisse der ״Thachamim" (etwa ״Lehrer") nicht bedeutend zu sein, während der (gegenwärtig im neutralen Ausland weilende) Belgrader Rabbiner, der einzige Rabbiner (Großrabbiner) Serbiens, allen Anzeichen nach sogar der ״Neuen Zeit" zuzurechnen ist. Die kommerzielle Tüchtigkeit der älteren Generation scheint recht erheblich und erfolgreich gewesen zu sein, wenn auch die geschäftlichen Beziehungen sich in der Hauptsache nur auf Osteuropa und Orient — allenfalls einschließlich Ungarn — erstreckt haben mögen; jetzt freilich ist vielfach vorher blühender Wohlstand ruinirt, nicht allein wegen der außerordentlichen Verluste an Häusern und Mobiliar in Belgrad, sondern namentlich wegen der Lage der meist nach Italien ״geflüchteten" serbischen Banken und des fragwürdigen Verhaltens ihrer Leiter. Türkischer Kaffee und Kartenspiel füllen jetzt in der Hauptsuche die Zeit der beschäftigungslosen Männer aus; ihren nun seit fünf Jahren fast jedes Unterrichts entbehrenden Kindern oder Enkeln Kennt- Nisse auf jüdischem oder profanem Gebiete beizubringen, fällt ihnen in den seltensten Fällen ein.. * (Fortsetzung folgt).

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