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Blätter · 1916-09-01 · 7 (9.1916) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
7 (9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 wendigsten beweglichen Besitzes ins Innere des Landes gereist waren und in jenem Städtchen sich Zimmer gemietet hatten; großenteils aber waren es auch Belgrader jüdische Familien türkischer Staatsangehörigkeit, die bei Kriegsausbruch mit Tausenden anderer feindlicher Untertanen von den serbischen Behörden in jenem Städtchen interniert worden waren (übrigens unter Belassung verhältnismäßiger Bewegungsfreiheit), dann im Winter 1914/15 die fürchterliche, in unbeschreiblicher Weise unter Zivilisten wie befangenen verheerende Flecktyphus-Epidemie miterlebt und teilweise Überstunden hatten, und die nun bei dem raschen Rückzug des serbischen Heeres an Ort und Stelle zurückgelassen worden waren, während die deutschen, österreichischen und ungarischen Gefangenen und Internierten größtenteils bei diesem Rückzug mitgenommen wurden. Diese jüdischen Familien hatten ihre Wohnung bezw. Zimmer in den inzwischen gleichzeitig von deutschen und österreich-ungarischen Truppenteilen nach Möglichkeit belegten Häusern beibehalten und in einem dieser Häuser ein — zuvorkomurender Weise von der deutschen Kommandantur dauernd belassenes, in sephardtscher Art hiezu eingerichtetes Zimmer reserviert, um in ihm mehrere aus Belgrad mitgenommene Sifre Tauro aufzubewahren und regelmäßig morgens und abends hier zu Gottesdiensten zusammenzukommen. Blicken wir in das diese provisorische Synagoge enthaltende einstöckige Häuschen! Aus dem sehr geräumigen Hausflur gelangt man rechts hinten in den erwähnten, als Gebetstätte eingerichteten Raum, während links hinten zwei Zimmer zur Beherbergung eines Teiles einer st. u. k. Feldbäckereikolonne dienen, deren Feldwebel, in Zivil ein Wiener Ingenieur, abends mit Vorliebe mit unseren Sephardim plaudert und an Thanuka sogar samt einigen deutschen christlichen Soldaten herzhaft mit Mir und den Spaniolen „trenderlte". Vorne dagegen gelangt man vom Hausflur links und rechts in die Behausung je einer sephardischeu Familie aus Belgrad; die Väter sind nahe Verwandte, aber der Staatsangehörigkeit nach ist man links bei Türken, rechts bei Serben. * * Verweilen wir ein wenig bei diesen oder ähnlichen, fast durchweg seit langer Zeit in Serbien ansässigen Familien! Wir finden drei Generationen vor, Großeltern, Eltern und Kinder, von denen die ersteren unter dem Sammelbegriff „Alte Zeit", die ^beiden letzteren unter „Neue Zeit" klassifiziert werden können; bei den Juden Altserbiens, d. h. im wesentlichen den Belgrader Sephardim (die kleine, in westeuropaisirte Reformer und polnische bezw. ungarische Orthdoxe gespaltene Aschkenasim-

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