Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1916-09-01 · 7 (9.1916) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
7 (9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6467833-9641076-10858625--0244-6468286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Eindrücke in Serbien. Von Dr. A F. im Felde. I. Aus den kurzen Tagebuchblättern über das in Serbien verbrachte halbe Kriegsjahr nachträglich Skizzen aus dem dortigen jüdischen Leben zu formen — das ist eine schwierige Aufgabe bei den wechselnden und vielgestaltigen Erlebnissen draußen, dann bei der völligen Verschiedenheit des Landes, der Bewohner und des jüdischen Lebens in Altserbien einerseits und in Mazedonien andererseits, endlich namentlich bei meinem nur ganz kurzen Aufenthalt in Mazedonien, den ich allerdings dank besonderer Umstände in hohem Maße der Beobachtung des jüdischen Lebens widmen konnte. Wenn ich trotz alledem dem Wunsch der Schriftleitung, einige Eindrücke aus jener Gegend festzuhalten, Nachkomme, so mögen diese Zeilen vor allem nur das Interesse der Leser nach eingehenderer Schilderung erwecken, die bei Gelegenheit hoffentlich einem weiteren Kreise geboten wird durch den gegenwärtig dazu berufensten Beobachter, den Feldrabbiner der 11. Armee Dr. Sänger. * » Als wir bald nach der Säuberung des südlichen Donauufers vom Feinde und nach Wiederherstellung des ersten Eisenbahnstückes in das kleine, im Innern Altserbiens gelegene Städtchen einrückten, das uns dann lange Zeit hindurch beherbergen sollte, da glaubte ich nicht, dort Juden zu finden; hatte man mir doch schon in der letzten ungarischen Gemeinde erzählt, daß in ganz Serbien (wie ich später sah, bezog sich dies auf Altserbien) nicht mehr als etwa 5000 jüdische Seelen (beinahe ausschließlich Sephardim), und diese fast ausnahmslos in Belgrad lebten. Umso größer war die freudige Ueberraschung, als sich in jenen Städtchen mehrere Dutzend jüdischer und zwar sephardischer Familien mit Kind nnd Kegel fanden. Teilweise handelte es sich um Belgrader Familien, die zum Teil gleich nach der Kriegserklärung, zum Teil aber auch erst beim Beginn des Bombardements von Belgrad anfangs Oktober 1915 sich in Sicherheit bringen wollten, zu diesem Zweck unter Mitnahme des not-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.