Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 7 (9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 Schvlamn Aleichem wurde der Liebling des ganzen jüdischen Volkes, bei allen war er zn finden, bei Reichen und Armen, bei Akademikern und Proletariern, und von ihnen allen ward er gelesen. Dafür spricht schon die sich immer steigernde Auflage seiner Werke und die Tatsache, das; feine Bücher nicht „ur in das Hebräische, sondern auch in die meisten modernen Sprachen übersetzt wurden. Auch in Esperanto ist einer seiner Romane erschienen. Picht zu verwundern ist, daß die Nachricht von seinem Ableben wie ein Lauffeuer sämtliche Schichten des jüdischen Volkes durcheilt hat. Millionen von Inden traf die Kunde wie ein schwerer Schlag, denn Scholaum Gleichem war ihnen der Bringer köstlicher Stunden und heiteren Friedensbedauern erfüllt uns beim Gedanken, welche Fülle von Segen ans dieser reichen Begabung dem ernsten alten Judentum hätte fließen können, wenn ihm sein starkes Können und seine Schastenskrast gegolten hätte. Den Schriftsteller-Namen, den der Jüngling einst angenommen hatte, hat der Dichter vollauf erfüllt. In Dankbarkeit und Wehmut wird die Iudenheit stets seiner gedenken, ihn Hochhalten und lieben, ihn, der schon mit seinem Namen sie begrüßt als ein Bote des Friedens, ihnen zürnst die Worte: Scholaum Aleichem, „Friede mit Euch". Verstummt ist nun — so schließt eine vielgelesene, angesehene Tageszeitung des neutralen Auslandes ihren Nachruf auf Scholaum Aleichem — dieses begnadeten Volksdichters göttliches Lachen. Dieser Schlag mußte das jüdische Volk besonders schwer treffen in der heutigen Zeit. Wann brauchte es nötiger einen Scholaum Aleichem, als heute, da es aus tausend Wunden blutet? Fast scheint es, als ob uns der allzufrllhe Tod dieses jüdischen Volksdichters in der Schicksalsstunde des jüdischen Volkes sagen wollte, daß auch er das Lachen verlernt hat in dem Jammer und Leid, das die Kriegswirren über die Juden gebracht haben. Tausende und Abertausende Juden aus ihren Wohnstätten gewiesen, von Haus und Hof gejagt, hinaus in die dunkle Nacht! Uber eine halbe Million Juden kämpfen in den verschiedenen Staaten, erfüllen treu und bewundernswert.ihre patriotische Pflichten und kämpfen doch Bruder gegen Bruder! Noch nie seit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer ist den Juden, auch denen, die stch gern vom Iudentunl lostrennen möchten, das traurige Schicksal der Verbannung und des Zerstreutlebens unter verschiedenen Wirtsvölkern so herb und so schmerzlich zum Bewußtsein gekommen, wie heute, da die Juden de» Kelch des Jammer» bis zur Neige leeren müssen. Da mußte auch dem göttlichen Humoristen die Feder entgleiten. Und ohne diesen wohltuenden Tröster und Freund bleibt das jüdische Volk in schwerer Zeit. _