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Blätter · 1916-09-01 · 7 (9.1916) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
7 (9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 entmicklung in den neuen Zeiten und neuen Verhältnissen, eine Weiterentwicklung, die doch eine Gestaltung aus ihren ureigensten Keimen heraus sein mußte. Die unendlich schwierige Ausgabe fand in Raschi ihren Meister, ihre Vollendung in seineui Talmudkammentar ohne den — nach dem Ausspruch eines späteren Jahrhunderts „der Talmud uns ein verschlossenes Buch wäre " Bedeutet nun das Talmudstudiunt den einen Ausgangspunkt der Geistestätigkeit der nordfranzösischen Schulen, so finden wir den anderen in der Auslegung der heiligen Schrift, und auch hier gibt die Persönlichkeit Raschis die Richtung an. Das Werk des großen Parschandata, das die Worte der Schrift mit seinen einfach-sinnigen Erklärungen begleitet, ist ja Gemeingut des jüdischen Volkes geworden, das an der Hand dieses Werkes herangebildet wird zum Verständnis des Tiefsten und Schönsten, ivas die Menschheit empfangen hat. Das Lebendigste aber, was Raschi geschaffen — mag auch das Größte in seinen Schriften niedergelegt sein — hat im Leben selbst weitergewirkt, in dem, was er seinen Schülern gegeben. Seine Schüler, seine Schwiegersöhne und Enkel haben in seinem Geiste, und gerade weil in seinem Geiste, darum nicht in der sklavischen Gebundenheit von Epigonen sei» Werk weitergefllhrt „Tosafot" neunen sie ihre Arbeiten, und in Wirklichkeit war es nicht allein ein Ergänzen, sondern ein Vollenden, und ein Vollendetes, das heute mit dem Kommentar Raschis zum iutregrierendcn Bestandteil des Talmuds verschmolzen ist. Heute werden die Tosafot vor allem mit den Schulen von Troges und Ramerupt, mit der Familie Raschis und dem Namen eines Rabbi Meir, eines Reschbam verbunden und sie sind auch mit diesen unauflöslich verknüpft, aber in Wirklichkeit bildete damals ganz Nordfrankreich eine einzige geistige Familie, und auch Städte wie Sens, Falaise, Orleans, Evreux haben teil an dem Werke der Tosafisten, auch Verdun, das damals noch zu Deutschland gehörte, ist durch den Namen Samuels ben Gayyim, Jakobs de Verdun mit dieser Epoche jüdischer Geschichte verbunden. Aber wie wir immer das Allgemeine im Einzelnen sehen müssen, so läßt sich auch der Geist jener hohen Zeit jüdischer Wissenschaft in der Persönlichkeit eines Mannes zusammenfassen: Rabbi Jakob ben Meir, genannt Tam, ein Enkelsohn Raschis und ein Sohn seines Geistes: „das eine Licht, das von Frankreich ausgegangeu, ist Raschi, das andere ist unser Lehrer Rabbeuu Jakob Tam." Seine Zeit ist so recht der Höhepunkt in der Geschichte der nordfranzösischen Juden, nicht allein weil ein Großer diese Zech überragte und eine Reihe von Autoritäten ihr das Gepräge geben, sondern weil diese Epoche noch eine Erscheinung geboren hatte: das Zusammeutreten jüdischer Synoden

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