Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 7 (9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Das Vermögen der jüdischen Gemeinden mar eine geeignete Hilfsquelle in allen Geldverlegenheiten der Souveräne, und den Weg, dazu zu gelangen, bot, wenn nicht eine Blutanklagc, dann die Beschuldigung auf Wucher, durch den sich die Inden auf Kosten des Landes angeblich bereicherten. Hier wie überall jene unselige Verwicklung: die Juden von manchen Erwerbsmöglichkeiten ausgeschlossen, durch ein, man möchte sagen, tragisches Talent dazu prädestiniert, die alleinigen Geldvcrleiher, die Bankiers der Zeit zu sein, da ja die Christen keinen Zins nehmen durften, ein sehr hoher aber in den Zeitoerhältnissen begründeter Zinsfuß, demgegenüber die besonderen Abgaben, die stets steigenden Erpressungen der Fürsten, die ja immer zu neuen Geldbezügen zwangen, das alles ein unseliger rirculns vitiusus, der auch im letzten Grunde die Existenz der nordfranzvsischcn Geweinden untergraben hat. Zunächst handelt es sich zwar nach rücksichtsloser Ausbeutung nur um eine vorübergehende Ausweisung der Inden im privaten Gebiet des Königs Philipp August, von der die nordfranzösischen Gemeinden nicht betroffen wurden, aber das Exempel war eininal statuiert, und jene Zeit der Kreuzzüge barg genug Zündstoff in sich, immer wieder den verheerenden Brand in die jüdischen Gemeinden zu werfen. Richteten sich doch danials die Angriffe nicht allein gegen Leben und Gut der Inden, sondern auch gegen das, was der Urquell ihres Seins war, ihr heiliges Schrifttum. Die Scheiterhaufen für den Talmud wurden ja gerade in Frankreich angeziindet; es sei hier nur auf die öffentliche Verbrennung von 24 Wagen von Talmudbänden in den Taniuswochcn des Jahres 1242 in Paris hingewiefen. Was dann noch folgt in der Geschichte der nordfranzösischen Inden, enthält wenig Lichtblicke mehr. Nach weiteren Erpressungen im Jahre 1306 unter Philipp dem Schönen die plötzliche Ausweisung aller Juden aus dem ganzen französischen Gebiet, mit Zurücklassung ihrer Habe und ihrer Schnldforderungen. 100000 Seelen ausgetrieben ans Heimat und Besitz, aus den Stätten des Talmuds, ihres Lebenselementes. Noch hat sich Frankreich damit nicht endgültig von den Juden losgesagt, noch öffnet es ihnen 10 Jahre nach ihrer Vertreibung wieder die alte Heimat mit den alten vertrauten Stätten. Das Glück, die Wohlhabenheit früherer Jahre und eine rechtlich günstige Stellung scheint den nordfranzösischen Gemeinden wieder beschieden zu sein. Aber es war nur ein kurzer Traum. Die Zeit des zweiten Aufenthalts, ohnedies von vornherein von einem,Termin abhängig, stand im Zeichen jenes fanatisch-religiösen Irrwahns, der in den Hirtenverfolgungen (Geserat har°im), den Anklagen wegen Brunnenvergiftungen (Geserat Mezoraim) feinen finsteren Ausdruck fand. Wieder waren es Tamustage, die den , * A —