Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 5 (5.1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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S. Schachnvwitz / Das jüdische Handwerk in Polen. 9 und Handwerkerstände zuzuweuden und ihn mehr für die jüdische Sache .zu gewinnen. An guten! Willen hat es in dieser Beziehung in Rußland nie gefehlt, eher an den tauglichen Mittel!!. Es fehlte das System, die Methode, die O r g a n i s a t i o!!. Es fehlte die Schule, die das Eheder ergänzen sollte, cs fehlte die gesunde V o l k s! i t c r a t u r. Die Zeitungen und Bücher in der jüdischen Volkssprache vertraten entweder zu einseitig den nationalen Standpunkt oder brachten neue, nie gekannte Begriffe ans einer fremden Welt, richtiger, sie warfen neue Worte in die jüdischen Massen, die, je weniger sie in ihrer tieferen Bedeutung verstanden wurden, umsomehr Verwirrung anrichtetcn. Die politische Entrechtung, die die Herzen mit Haß und Erbitterung erfüllte, gab den Rest. So wurde denn die junge Arbeiter- und Handmerkergeneration von allen Seiten in die Arme der Opposition getrieben. In Zeiten materieller und geistiger Not fehlte ihr der religiöse Halt, an dem sie sich hätte aufrichten können. Hier muß jetzt die Hilfe von jüdischer Seite einsetzen. Mit dem Dildungsproblem des jüdischen Handwerkers entsteht für uns das Problein seiner jüdischen Aus- und F o r t b i l d n n g und darf nicht lange Problem bleiben. Derbesser gebildete, in einer freien Umgebung sich beivegende jüdische Handwerker wird für die jüdische Sache weit leichter zu gewinnen sein, als der aus der russischen Zeit, vorausgesetzt, daß wir nicht zu spät kommen. Handw e r k e r s ch u l e n nach der Art, wie wir sie in Palästina schon besitzen, müßten an der Spitze unseres P r o g r a m m s stehen, dann die Schaffung einer guten,' positiv gerichteten, gesunden und vor allem jüdischen V o l k s l i t e r a t u r. Nirgendwo hat die Zeitung ihre erzieherische Wirkung so gezeigt, wie im jüdischen Polen, bis jetzt leider nicht immer in! guten Sinne. Es ist höchste Zeit, daß wir diese Mittel auch unserer Sache dienstbar machen. Es möchte uns bcdllnken, das; wir mit der Lösung dieser geistigen Fragen des jüdischen Handwerks nicht erst die Weiterentwicklung der Dinge abwarten dürfen, sondern j e tz t s ch o n beginnen müssen. O