Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 5 (5.1916)
- Date
- 1916-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 @. Schachnmvitz / Das jüdische Handwerk in Polen. wird, da dem jüdischen Handwerker nach rechts und nach links alle Wege versperrt waren und er, um sein Dasein zu fristen, zu allen möglichen Beschäftigungen greifen mußte, das jüdische Handwerk nicht gerade innerlieh stärker, leistungs- und widerstandsfähiger geworden ist. Die Zukunftsfrage des jüdischen Handwerks ist somit eine sehr ernste. Das jüdische Handwerk in Polen und Litauen ist auch schon darum mehr auf den russischen Markt angewiesen, weil cs nach Art und Entwickelung mehr auf den primitiven östlichen als aus den verfeinerten westlichen Geschmack eingestellt ist. Es ist interessant zn vernehmen, wie wenig sich dort die Juden mit dem besseren und Kunstgewerbe befasse», wie sie vielmehr ihre Arbeitskraft zumeist auf die Dinge des täglichen Bedarfes verivenden. Bis vor kurzem bildeten die Uhrmacher ein Prozent der jüdischen Handwerker, die Juweliere, Goldschmiede, Mechaniker u.s.w. erreichten nicht einmal diesen Prozentsah, während die S ch n e i d e r , Schuh m a che r, K ü r s ch 11er, AI ühenma ch e r u.s.w. über 50 P r o z e n t der jüdischen Handwerker ausmachen Diesen steht, aller Voraussicht nach, eine schwere Zeit bevor. Auf den urvüterlichen Zustand des Kundenkontigentes können sie beim Anschluß ihrer Heimat an die Kulturwclt nicht mehr rechnen, das Absatzgebiet wird ihnen aber beschränkt und der Konkurrenzkampf unermeßlich erschwert. Im besten Falle wird eine Reihe von Jahren darauf gehen, bis sich das jüdische Handwerk den neuen Verhältnissen ganz angepaßt haben wird Und dennoch kann es nicht ausbleiben, daß ein Heller Lichtschimmer der neuen Kultnrepoche auch auf das jüdische Handwerk veredelnd fallen wird. Die soziale Stellung des Handwerkers, der sich bis dahin nur in den Niederungen des Lebens bewegen durfte, wird im Anschluß an die Welt, wo Arbeit, Fleiß und Gewerbe in höchsten Ehren stehen, gehoben. Schulen, Fortbildungskurse, technische Lehrgelcgenheiten werden für eine bessere allgemeine und berufliche Ausbildung des Handwerkers sorgen, und man wird auch in den jüdischen Kreisen nicht umhin können, den Handwerker mit anderen?lugen anzusehen. Vielleicht ist damit die Zeit gekommen, eine an ihm begangene schwere Schuld, die sich in den letzten Jahren bitter gerächt hat, gut zu machen. Besonders in chassidischen Kreisen, aber nicht minder in Rabbiner- Kreisen im angeblich stolzen, strengen, verstandsklaren Litauen — man denke nur an Rabbi Israel Sa lauter זצ״ל — hat man immer schon die Notwendigkeit erkannt, sich dem einfachen Manne aus dem Arbeiter-