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Blätter · 1916-05-01 · 5 (5.1916) · p. [Seite]

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Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
5 (5.1916)
Date
1916-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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S. Schachnowitz, Das jüdische Handwerk in Polen. 7 rechtung zum Trotz, geweckt, die Betriebsamkeit des hochiutelligeiiten, durch ewigen, verzweifelten Kampf um Brot und Recht gestählten und vielerfahrenen jüdischen Handelsmannes gesteigert, die der Produktion immer neue Gebiete erschloß Der jüdische Handwerker, der nun zwar bei geringerem Lohne und weniger Liebe zur Sache arbeitete, hatte dafür mehr Beschäftigung und war von der Zwangsjacke der Wechselwirkung von Nachfrage und Angebot in seiner kleinen Umgebung befreit. Eine tabel-!arische Zusammenstellung des bekannten Statistikers Dr- S. Margoliu in der russischen Zeitung ״Raßwet" vom Jahre 1906 zeigt uns äugenscheinlich, wie nicht nur die Produkte des eigentlichen Fabrikbclriebes, wie Leder, .Borsten, Ackerbangeräte n.s.m. weiten Absatz in ganz Rußland fanden, sondern auch die Erzeugnisse der Schneider, Schuhmacher, Tischler, Drechsler, Strumpfwirker, in den engen Werkstätten des Ansiedlnugsragons entstanden, sich weiter Verbreitung in der Krim, dem Kau- Kasus, im Donaugebiet und in Sibirien erfreuten. So wurde die Produktion aus dem engen Rahmen des Kundenkreises heraus fließend gemacht, gewissermaßen objektiv, unabhängig von dem Willen nnd. den Launen der Einzelpersonen. Auf dem Wege zur Großproduktion wurde nun das jüdische Handwerk in Polen über Nacht durch die neuen Verhältnisse überrascht und aufgehalten. Und cs ergeben sich neue Probleme, die, mit ganz anderen Maßstäben gemessen, unter ganz neuen Gesichtspunkten der Lösungzudrängen. Der russische Markt ist, in den Uebergangsjahrcn wenigstens, dem besetzten Gebiete verschlossen, der deutsche Markt ihm aber noch nicht geöffnet. Ob und wie nach Friedcnsschluß das Handwerk des einstigen Ghetto den Anschluß an den voraussichtlich jenseits einer Zollgrenze liegenden Markt der früheren Heimat wieder sinden wird, bleibt abzuwarten. Vielverheißend sind die Aussichten nach dieser Richtung gewiß nicht. Wird aber, was wir im politischen, jüdischen und rein menschlichen Interesse alle hoffen und wünschen, das Polenland auf diese oder jene Art ein Teil des Kulturbodens der Zentralmächte und somit auch industriell mit ihm eng verknüpft bleiben, so wird alles andere eher dabei profilieren, als das jüdische Handwerk, dieweil es mit seinen primitiven Mitteln weder mit der Produktion in Deutschland und Oesterreich konkurrieren kann, noch als Lieferant bei den Ansprüchen der dortigen Großbetriebeil! Betracht kommt. Zudem darf nicht übersehen werden, daß in dieser langen Ucbergangszeit, die mit Beendigung des Krieges noch lange nicht zum Abschluß gelangen

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