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Blätter · 1916-03-01 · 3/4 (März/April 1916) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
3/4 (März/April 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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W. S. Jacobson / Die Judenfrage eine Wirtschaftsfrage. 23 seinem Chef. Beide sind gleich gefährlich, der Kampf gegen beide wäre sinnlos. Wie dem Kleinstädter, der den hohen Opfermut, sein Geschäft am Schabbos zu schließen, weil er dessen Bestand dadurch gefährdet, nicht aufbringt, zu helfen ist, wisse» wir nicht. Für ihn, bezw. für sein Judentum, ist diese Abhängigkeit ein Verderben, das er nur mildern kann, wenn er beizeiten umsattelt, sei es in die Großstadt ziehend, sei es in andere Erwerbszweige, die auch in der Kleinstadt blühen, als Getreidehändler oder Viehhändler, so mit dem Produkt dessen Handel treibend, das hervorzubringen, bezw. dessen zu warten, der zur Landwirtschaft zurückgekehrte Sohn oder Enkel berufen sein soll. Die Großstadt ist, wie oben ausgeführt, vielgestaltiger, da ist der Abhängigkeit durch Selbständigmachung des einzelnen vorerst zu begegnen. Ein findiger, fähiger Kopf wird sich und die seinen immer notdürftig ernähren können. Dieses Stadium soll aber immer nur als Übergangsstadium betrachtet werden, als ein Rast- und wenn es glückt, als ein Rüstplatz für die andersbetätigte Erwerbsart des Sohnes oder Enkels. Die Abhängigkeit ist deshalb so gefährlich, weil die Erfahrung zeigt, daß jemand in einem Betriebe, der am Schabbos geschlossen war, alt geworden, plötzlich, wenn dieser Betrieb aufgesogen durch irgend einen solchen Trust oder dergleichen, am Schabbos öffnet, sich völlig ratlos den Wirtschaftsverhältnissen gegenüber sieht. Er weiß keinen Ausweg mehr, er hat den Glauben an sich selbst und, das geht oft Hand in Hand, sein Judentum verloren. Selbstverständlich gibt es auch große Geschäfte, die am Schabbos geschlosseu haben, das sind leider Ausnahmen. Wären sie die Regel, so würde das eine ungeheure Erstarkung der jüdischen Religion bedeuten, denn ebenso wie die Unterordnung der Vielen unter einen, religionsfördernde Momente n i cht anerkennenden Willen Schwächung des Religiösen bedeutet, bedeutet die Abhängigkeit vieler Willen von einem religionssördernden, der sich in der Hut des Schabbos bekundet, eine Stärkung religiösen Willens. Könnte man diese Ausnahme zur Regel machen, dann wäre dem Judentum am ersten geholfen. Daß man in industriellen Betrieben jüdische Arbeiter mit Schabbos frei eingestellt hat, das wollen wir nicht als ein Spmptom, das frohe Zukunftsperspcktiven in der Lösung unserer Judenfragc eröffnet, betrachten, sondern das müssen >vir Wohl bedauerlicherweise

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