Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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24 W. S. Jacobson / Die Judenfrage eine Wirtschaftsfrage. als eine, durch die Not der Zeit geborene Ausnahmeerscheinung werten. Wenn man annehmen dürfte, daß die deutsche Industrie den jüdischen Schabbos haltenden Arbeiter einstellen würde, — dort, wo schichtweise gearbeitet wird, wäre das ja garnicht so undenkbar, — dann würde diese Möglichkeit einen wichtigen Beitrag zur Lösung unserer Judenfrage geben. Wir haben in Vorstehendem versucht, unter dem Gesichtswinkel der Wirtschaftsverhältnisse d i e Judenfrage zu beleuchten und wir glaubeit, daß sie gerade unter diesem Gesichtswinkel'völlig beleuchtet erscheint, wir haben uns auch bemüht, Auswege aus dem Labyrint dieser wirtschaftlichen Erscheinungen zu zeigen. Was wir versuchten, war das, was es sein sollte, ein Versuch, der nur eines wollte, diejenigen, die sich dafür interessiere,!, anzuregen, die Judenfrage vom wirtschaftlichen Standpunkt aus einmal zu betrachten und auch in ihrem Teile darüber nachzudenken, wie man diesen Erscheinungen, die kein erfreuliches Bild gewähren, wirksam begegnen kann. ״Noch ist Juda nicht verloren"! Noch und nie! Dies Bewußtsein soll uns stärken, gibt uns Kraft, es soll uns aber nicht übermütig machen, der Kranke wird auch nur dann gesunden, wenn Gottes Wille ist, dennoch ist es Pflicht, zur rechten Zeit den Arzt zu rufen. Die Judenheit wird nie aussterben, weil das Judentum nie verschwinden wird und doch ist es unsere Pflicht, nachzusinnen, auf Heilmittel, sobald nur ein Jude infolge der Wirtschaftsvcrhältnisse Gefahr läuft, durch Drangabe seines Judentums, seiner Zugehörigkeit zur Judenheit verlustig zu gehen. Mögen unsere berufenen Führer, wenn sie jetzt so viel und so oft in ihren Beratungen und Erwägungen von allen möglichen Stand- Punkten ans die Judensrage beobachten, sie auch unter den Wirtschaftlichen Gesichtswinkeln stellen, sie werden manches sehen, was bisher ihrer Beobachtung entgangen ist und aus dem Gesehenen Folgern״- gen ziehen, und sich danach richten können. So, Wie u. E. die Judensrage eine Wirtschaftsfrage ist, so wollen wir hoffen, daß recht bald, in dem von uns erwünschten Sinn die Wirtschaftsfrage eine Judenfrage ist, d. h., daß alle Juden, sobald sie Interesse an Judentum und Judenheit haben, beginnen, sich intenstv zu beschäftigen mit dem, was wir in Vorstehendem nur kurz und sicherlich nur mangelhaft darlegen konnten.