Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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W. S. Jacobson / Die Jndenfrage eine Wirtschaftsfrage. 21 Die Gefahr der Großstadt sahen wir in der durch die Zentralisterung hervorgerusenen Fesselung der einzelnen Willen an einen großen, sie beherrschenden Willen. Man begegnet oder doch man umgeht die Gefahr, wenn man sorgt, daß möglichst viele einzelne Wille, 1 wieder zur Geltung kommen, indem man sorgt, daß möglichst viele selbständige Existenzen gegründet werden. Im Handel wird dies nicht möglich sein, weil der Handel große Kapitalien zur Verfügung haben muß, weil im Handel allein oder doch sehr überwiegend das Geld eine Rolle spielt. Beim Handwerk liegt die Sache anders, besonders in letzter Zeit, wo die Bestrebungen so lebendig geworden sind,.das Handwerk aus die Höhe des Kunstgewerbes zu erheben, da gilt der Einzelne noch etwas, da hat der Einzelne, wenn er sich selbständig macht, noch Zuknnfts- und Vcrdienstmöglichkeiten und da wird es ihm auch leicht sein oder doch unvergleichlich viel leichter als in, Handelsbetriebe den Schabbos zu halten und somit sich, sein Judentum, der Judenheit seine Persönlichkeit zu sichern. Der deutsche Jude als Bauer wäre u. E. auch ein Typ, der sich Wohl sehen lassen könnte. Daß man ihn bald im deutschen Lande öfters sehe» wird, dafür sind ja die bekannten Bestrebungen, die von einem verdienstvollen Mann ausgehend, durch ihn kräftig gefördert werden, lebhaft im Gange, daß diese Bestrebungen Erfolg haben werden, möge die allernächste Zukunft zeigen. Ein solcher Erfolg bedeutete nichts mehr und nichts weniger als die Zukunft der deutscheu Judenheit durch Erhaltung ihres Judentums, und daß ei» jüdischer Bauer sein Judentum bewahren kann, bedarf keiner Be tonung, denn wenn alles sich auch verändert und gewandelt hat, die Natur hat sich nicht gewandelt und so, wie sein Ahn vor Jahrtausenden Palästinas Fluren am Sabbath ruhen ließ, so kann der deutsche Jude deutschem Boden Sabbathruhe schenken, der Ertrag wird dadurch nicht niagerer, vielleicht nur noch fetter. Den Kanchf aufnehmen mit den Folgen des modernen Wirtschastslebens ist unmöglich, es heißt ihm ausweichen, das ist kein Zeichen der Schwäche sondern eine kluge, durch die Verhältnisse genötigte Taktik. Zwei Wege, die den übermächtigen Feind, die die Sabbathruhe ausschaltende Vertrustung des Wirtschaftslebens, links liegen lassen, haben wir kurz angedeutet. Auf ihnen erfolgreich zu wandeln, das wird kein Ding sein, von heute auf morgen auszuführen, es bedarf der Propaganda, der Organisation, der Mittel, den