Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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W. S. Jacobson / Die Judenfragc eine Wirtschaftsfrage. 19 der Religion dem Herzen entwurzelt haben und diese anderen Stürme, das ist unsere tiefe innere Ueberzeugung, werden entfacht immer nur vom Wirtschaftsleben und seinen Folgen. "Der Kamps ums tägliche Brot" weckt Egoismus, Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und die Gleichgültigkeit ist ein Feind des Guten, der Religion. Solche Gleichgültigkeit wird aber mit Stumpf und Stiel ausgerottet, wenn ein T a g in der Woche da ist, der innere Sammlung und Konzentration nicht nur gestattet sondern auch gebietet, und daß dieser Tag vielen entschwunden ist, das ist wir kommen immer wieder auf das alte zurück der Fluch des Wirtschaftslebens. Diese Dinge können hier natürlich nur ganz kurz ausgesprochen werde», die inneren Zusammenhänge, die so vielleicht nicht ganz klar liegen, anfzuzeigen, behalten wir uns für eine gesonderte Ausführung vor. Nun zuriick zu unserem Thema! Wie begegnet man den Folgen des Wirtschaftslebens, wie löst man, um die Jndcnfragc zu lösen, die Wirtschaftsfrage? Wir haben uns bemüht, in unseren bisherigen Darlegungen jede Phrase auszuschalten, wir haben, so hoffen wir, immer nur die Tatsachen sprechen lassen, die Tatsachen, wie sie die Wirtschaftsgeschichte der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit ausgezeichnet hat, das waren traurige Tatsachen, aber cs waren eben geschichtliche Tatsachen. Geschichtliche Tatsache ist aber ferner, daß die Juden kein Vols des Handels sind, daß die Juden vielmehr ein Volk der Landwirtschaft und des Handwerks in alten Zeiten gewesen sind. Was den landwirtschaftlichen Charakter der jüdischen Volkswirtschaft anlangt, bedarf cs gewiß keiner Belege, da braucht man nur die Tora mit ihren vielen, auf landwirtschaftliche Verhältnisse Bezug nehmenden Rcligionsgesctzcn durchzulcsen, da braucht man nur einen Blick in die jüdische Vergangenheit, in die Zeit selbständigen Staatstums zu werfen und man sieht, daß auch zur Zeit der Mischna und der Gemoro die Juden Landwirte gewesen, Viehzucht im größten Umfang getrieben; daß aber auch das Hand werk früher in unvergleichlich viel größerem Maß als heute von den Juden betrieben wurde, daß, und dies scheint das wesentlichste, gerade der jüdische Gelehrte im Berufsleben als Handwerker wirkte, ist auch bekannt. Der Blatter, der den Verkauf eines Tieres vermittcltc, ist bezeichnenderweise an einer Blischnastclle ein Nichtjude.