Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 W. S. Jacobson / Die Judcnfrage eine Wirtschaftsfrage. Wir haben Einfluß des Wirtschaftslebens auf das jüdische religiöse Leben in der Kleinstadt in größerer Ausführlichkeit, in der Großstadt nur unter einigen Reflexen kurz beleuchtet, und zwar deshalb haben wir uns bei der Schilderung des Einflusses der Wirtschaftsverhältnisse auf die religiösen Erscheinungen in der Großstadt Beschränkung auferlegt, weil wir immer hören und weil das auch die Anschauung in nichtjüdischen Kreisen ist, daß die Großstadt das Grab der Religion sei, die Kleinstadt für sic aber ein immerhin noch etwas sichererer Hafen bedeutet. Dem ist u. E. nicht so! Der Einflnß des Wirtschaftslebens, die Beziehungen der Wirtschaftsfragc zur Judenfragc sind unseres Erachtens in der Kleinstadt von größerem Berderbcn als in der Großstadt. Aber in beiden ist dieser Einfluß sehr groß und es ist zu erwägen, wie ihm zu begegnen, dem durch ihn geschaffenen oder doch geförderten Verderben Einhalt zu gebieten ist. Wie begegnet man den Folgen des Wirtschaftslebens, wie bekämpft man oder umgeht man diejenigen seiner Erscheinungen, die dem Judentum Gefahr bringen? Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß cs nicht unbedingt die Aufgabe dessen ist, der eine Frage anfwirft, sie auch zu beantworten, oft ist schon wichtig, daß man den Fehler aufzcigt und es Berufenücen anhcimgibt, ihrerseits für die Abstellung Sorge zu tragen. Wir wollen ferner nochmals an dieser Stelle betonen, damit man nicht glanbe, wir haben unsere Judenfrage nur oberflächlich unter einem Gesichtswinkel aufgcfaßt daß uns nicht unbekannt sind auch die andern Einflüsse, die auf jemanden einwirke» können, daß er seines Judentums, das wir immer identifizieren mit gcsetzcstrcucm Judentum, verloren geht. Bon geistigen Einflüssen sprachen wir schon kurz, hierzu wäreknoch zu rechnen der religionsansmerzcnde Einfluß der Bibclkritik, jener modernen theologischen Wissenschaft, die auf unerfahrene Köpfe Wohl verderblich wirken kann, dem aber nichts anhaben wird, der sich Rat holt bei denen, die berufen sind, ihm zu raten. Wir glauben, die Bibelkritik allein hat noch niemanden der Bibel, noch keinen Juden seinem Judentum entfremdet und ebensowenig, wie dieser geistige Verkehr mit dem Judentum abholden Männern durch ihre Schriften, wird der persönliche Verkehr mit Unreligiösen und seien sie noch so sehr gebildet, von überwiegendem Einfluß sein, wenn da nicht vorher schon andere Stürme den Baum