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Blätter · 1916-03-01 · 3/4 (März/April 1916) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
3/4 (März/April 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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W. S. Jacobson / Die Judenfrage eine Wirtschaftsfragc. 17 dürfnissen dienen und die daher selbstverständlich am Schabbos geschlossen sein müssen, Schlachtereien und alle dem rituellen Leben dienenden Geschäfte, wir finden in ihr vor allem Agenten und Makler, die sromni sind. Ich möchte nur auf zwei verwandte Geschäftszweige Hinweisen, auf das Bank-, bezw. deutlicher ausgcdriickt, das Wert- Papiergeschäft und ans den Metallhandcl. Die Mitgliederlisten dieser beiden Börse» werden nicht nur jüdische Namen aufweisen, sondern auch die Rainen von wahrhaften Inden, ja, der Metall- Handel beispielsweise ist in mancher Großstadt so stark in jüdischen Händen bereinigt, daß die diesem Geschäftszweige dienende Börse, >vcnu dies auch wohl mit anderen Umständen auch zusanunenhängen Mag, am Schabbos geschlossen ist. Dies Kapitel der Möglichkeiten, in der Großstadt Schabbos zu halten, ließe sich vervielfältigen, sodaß lvir den Schluß ziehen möchten, daß an und für sich die Großstadt durch ihr Wirtschaftsleben auf die Religion keinen schädlicheren Einstnß ausübt, als die Kleinstadt, in ihr bietet sich nämlich die durch die Jusammenfassniig der Ivirtschaftlichen Kräfte hcrvorgernfenc Schädigung des religiösen Lebens mit einer Förderung desselben durch eine inannigfach gestaltete Erlperbsmöglichkeit einander die Wage. Aber dennoch! Die hier nur kurz skizzierten Folgen des Wirtschaftslebens in der Großstadt sind auf die Religion von stärkstem Einflüsse, auch in der Großstadt ist unsere Judenfrage eine Wirtschaftsfragt. Warum glaubt der oben zitierte Hamburger Geistliche, daß die Großstadt das Grab der Religion sei? Deshalb vor allem, weil die geistige Tendeirz der Großstadt als Gegenwirkung des in ihr ange häuften Großkapitals zum Sozialismus, zur Sozialdemokratie und von dieser zur Kirchenseindschast oder doch zur Gleichgültigkeit gegen das Kirchliche, die äußere Ausdruckssorm des Religiösen, führt. Bei uns Juden dürfte das anders liegen. Geistige Einflüsse dürften von minderem Einfluß sein. Der Jude, der den Wirtschastsverhält Nissen Trotz bietet, der über die Woge» des Wirtschaftsgcbranses sein Lebensschiff mit sicherer Hand führt und auf ihm als kostbarste Fracht seinen Schabbos milführt, der wird auch geistige» Einflüssen Widerstand bieten können. Dann gewiß, wenn er ihm jenen Geist cntgegenstellcn kann, der auf ihn aus Torastudium fließt. Nicht die Struktur des in der Großstadt kultivierten Geistes, sondern die ihres Wirtschaftslebens enthält die Gefahr.

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