Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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16 W. S. Jacobson / Die Judenfrage eine Wirtschaftsfrage. Zusammenschluß im Syndikat oder im Trust ist ja geschehen, eben um die Möglichkeit des Erwerbes bis zum Letzten auszunutzen und darum wird man nur solche Angestellte nehmen, die diesen Gesellschäften ihre Arbeitskraft dienstbar machen bis zur Grenze der vom Staate festgelegten Arbeitszeit, man wird keinen Juden anstellen können, der außer der staatlichen Sonntagsruhe noch die von der Religion gebotene Sabbathruhe einhalten will. Der Trust schließt also seine Pforten vor dem gesctzestrcnen Juden. In diesem Sinn birgt also die Großstadt für das religiöse Leben eine eminente Gefahr, weil die Zcntralisiernng in ihrer Leitung abfärbt auf die in ihr domizilierten Großbetriebe. Der Jude, der in der Großstadt de» Schabbos halte» will, pocht oft an geschlossene Türen und diese Türen sind gerade die Pforten zu Paläste», in denen die Möglichkeit vorhanden ist, die eigenen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen nnd ihre bare Münze, in hohen Verdienst umzuwandeln. Die Behörden der Großstadt, die große» Aktiengesellschaften, die ersten Handelshäuser usw., sic alle werden zum kleinen Teil vom staatlichen, zum größeren Teil von einem wirtschaftlichen Willen geleitet, der Rücksicht auf die Individualität und die besonderen Bedürfnissc des Einzelnen nicht kennt, der darum auch des Juden Wunsch, Schabbos zu halten — und der Wunsch lebt wohl in j e d e m Juden - nicht anerkennt. In diesem Sinn ist die Großstadt oder besser gesagt das Wirtschaftsleben der Großstadt auf die Judcnfrage in der von uns in diesen Ausführungen vertrerenen Anschauung von schädlichstem Ein stutz. Andererseits aber bietet die Großstadt eben wegen der Vielseitigkeit, die in ihr vorhanden ist, mannigfachere Chancen und Erwerbsmöglichkeiten als die Kleinstadt und die Benutzung dieser Chancen bietet in gewissem Sinn einen Ausgleich, denn wenn auch der überwiegende Teil der dem Erwerbe nachgchendcn Seelen einer Großstadt in abhängiger Stellung ist, so gibt es in ihr immerhin doch noch viel selbständige Existenzen. Der Möglichkeiten, Geld zu verdienen sind in der Großstadt eben viele, als Kleinhändler, als Agent, in geistigen Bernsen, im Handwerk; in allen diesen Erwcrbszweigcn ist die Möglichkeit, Schabbos zu halten, und wird sie auch genutzt. Wir finden in der Großstadt fromme Ärzte, Juristen, Chemiker, Lehrer, wir finden in ihr Detailgeschäfte, die speziell jüdischen Be-