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Blätter · 1916-03-01 · 3/4 (März/April 1916) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
3/4 (März/April 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 Die Arbeitsvermittlung der Agttdas Jisroel. Einen Zweig dieses Hilfswerkes wollen wir in wenigen Worten besprechen, wenngleich man uns jüngst das Mitsprechen verbieten wollte und wenngleich wir zugeben, daß das, was wir Mitteilen, nur der Niederschlag von Eindrücken ist, die wir aus mündlichen Berichten, Zeitungsaufsätzen und persönlichem Briefwechsel ge- Wonnen haben: Die Arbeitervermittlung der Agndas Jisroel. Russisch-Polen ist ein industriereiches Land und ein großer Teil seiner jüdischen Bevölkerung ist in der Industrie als Arbeiter tätig und ebenso wie in Russisch-Polen fast alle Industrien vertreten sind, so finden sich unter den dortigen Juden auch Arbeiter fast aller Industriezweige. Das durch den Krieg bedingte Darniederliegen der polnischen Industrie einerseits, der Arbeitermangel, der sich in Deutschland fast überall im weiteren Verlauf des Krieges geltend machte, legte es nahe, die polnischen Arbeiter — also auch die jüdischen Arbeiter Polens - nach Deutschland zu bringen, um dadurch ein Zweifaches zu erreichen: Die Versorgung des deutschen Arbeits- Marktes mit geschulten Kräften, die Entlastung des polnischen Unterstützungswerkes durch Zuweisung von Arbeit an die beschästigungslosen und daher untersttthungsbedürftigcn polnischen Juden. Diese jüdische Arbeitsvermittlung der Agudas Jisroel, die Hand in Hand mit der Deutschen Arbeiterzentrale arbeitet, ist ein Unternehmen, das zwar noch in den Kinderschuhen steckt und daher mit Kinder krankheitcn zu kämpfen hat, cs ist aber ganz zweifellos, daß demselben mit Gottes Hilfe eine gute Zukunft beschieden ist, weil es sich auf gesunden Theorien anfbaut und weil die in de» Gegenwart noch zu bekämpfenden praktischen Schwierigkeiten sich nach und nach beheben lassen werden. Die Aufgaben, die zu lösen sind, liegen nicht auf religiösem, sondern auf technischem Gebiet. Die Fragen, die bei der Errichtung der Arbeitervermittlung aufgeworfen worden sind, waren Wohl vorwiegend Folgende: 1. Wie kann man den jüdischen Arbeitern Polens Beschäfjigung verschaffen, daß sie nach den Religionsgesetzen leben können, d. h. daß sie am Schabbos nicht zu arbeiten brauchen, rituell verpflegt werden und daß ihre sonstigen religiösen Ansprüche Befriedigung finden können? 2. Wie soll die Ausmusterung der Arbeiter geschehen und auf welche Weise soll man sie dem deutschen Arbeitsmarkte anbieten?

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