Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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6 Dr. M. Jacobson / Israels Glaube an die Zukunft. gepflegt werden sollen; paßt es der üppigen und stolzen Dame, ihr .Kind auf derselben Schulbank sitzen zu lassen, auf der das Kind der Proletaricrfran seinen Platz hat? Sie braucht es Wohl auch nicht, denn die Gesellschaft trägt dem Hang der Vornehmen nach Ausschließlichkeit Rechnung und hat verschiedene Schulen für derschiedene Mcnschcnklassen; aber daß es so ist, daß es Standesschulen gibt, daß auch die Besten unter uns sic rechtfertigen, in krasser Selbstsucht, ans Furcht, daß dann keiner sich mehr gröberer und schwererer Körperarbeit befleißen werde eine einheitliche Volksbildung verwerfen daß gerade auch hier sich ein hochmütiger Wider- Wille gegen die Berührung mit der Armut geltend macht, das sagt uns deutlich daß Messias noch nicht erschienen, und daß die Zeit »och nicht gekommen ist, in der alle Kinder, iveil sic an e iitot nnd darum göttlichen Belehrung teilnehmen, in glücklichem und friedlichem Einvernehmen leben ■וכל בניך למודי ד' ורב שלום בנץ lJcsaias 54). Kommen aber wird diese Zeit, kommen muß sie, wenn erst die Selbstüberwindung, in deren Gefolge die Genügsamkeit ist. von den Menschenherzen Besitz ergriffen haben wird. Denn die letzte Ur suche der für die Kinder i» Anspruch genommene» Exklusivität ist die Eitelkeit, die sich nicht überwinden kann. Mehr als einmal ivcrden sich Väter nnd Mütter sagen, daß das Zusaminensitzen mit des Volkes Kindern den ihrigen nicht zum Schaden gereichen würde, daß vielleicht der Eifer und die Lcrnlust der Armen ihre ver wöhntcn Sprößlinge anspornen, deren Einfachheit und Bescheidenheit ihnen ein gutes Vorbild sein könnte; aber da ist einer, der noch höher steht als sic und seine Kinder auch hiervon fcrnhält, da läßt es die Eitelkeit nicht zu, das zu tun was der Andere anscheinend aus Vornehmheit meidet; was ihm nicht genügt, darf auch ihnen nicht genug sein. Daß bei dieser Ungenügsamkcit dem Kinde oft nicht genug wird nnd es in Kenntnis und Erkenntnis so manches versäumt, was richtig verstanden rmd im Leben in Wirksamkeit gesetzt den sozialen Frieden fördern würde, das wird nicht bedacht oder tritt in den Hindergrund vor dem besseren Entschlüsse feindlicher Empfindungen. Heilung dieses Gebrechens kann nur der Vor nehmste bringen, den! nachzuahmen jedem eine Ehre ist; und ob es so bald nicht sein mag, einst wird kommen der Tag, wo der Löwe, der König unter den Tieren, dem andere nnd besondere Nahrung zur Verfügung steht, auf exklusive Leckerbissen verzichtet, sich selbst