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Blätter · 1916-03-01 · 3/4 (März/April 1916) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
3/4 (März/April 1916)
Date
1916-03-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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4 Dr. M. Jacobson / Israels Glaube an die Zukunft. vom rein menschlichen Standpunkte aus unsere Ueberlegung und unsere Sehnsucht als das Merkmal der Erlösungszeit vorstellt, sollten wir wohl sündigen, wenn wir durch die Erklärung dieser Bilder in dem Glauben der gequälten Menschenbrust Erhörung finden und die Menschheit gut und glücklich in Weisheit und Frieden neben einander wohnen werde. Wohlan denn, laßt uns erspüren, was Tröstendes und Aufrichtendes des Gottesmannes Rede uns verheißen hat. I. Das stärkste Hindernis für ein glückliches und gedeihliches Zusammenleben der Menschen ist in der Gegenwart der schroffe Gegensatz, den die Verschiedenheit der Charaktere und der Abstand der äußeren Verhältnisse hervorruft. Auf der einen Seite der Wolf, die Wildheit und Dreistigkeit, die Verfolgungswut und Zerstörungssucht, auf der anderen das Lamm, die Zahmheit und Schüchternheit, die Ergebenheit und Unterwürfigkeit. Auf der einen Seite der Tiger mit seinem prächtig schillernden Fell, der äußere Glanz, die Pracht und bezwingende Macht des Reichtums, auf der andern das Böckchen, die Einfachheit und Dürftigkeit, die schwache Armut, die in grauem, härenem Gewände einherschreitet. Da klafft ein Spalt, über den keine feste dauerhafte Brücke zu sicherem, ununterbrochenem Verkehr hinüberführt. Wohl werden von Zeit zu Zeit Stege hinübergeschlagen, aber das sind nur schwankende Verbindungswege, die unter der Flut von unten und dem Sturm von oben gar bald zusammenbrechen. Wohl sehen wir hin und wieder edle Menschenfreunde und erleuchtete Forscher sich bemühen, diesen sittlichen und gesellschaftlichen Gegensatz auszugleichen, Wohl stürmt auch die brutale Kraft der Massen auf dieses Ziel los; aber erreicht ist es immer noch nicht, und daß es auf diesem Wege erreicht werde, daran zweifelt mit Recht, wer Menschen und Geschichte kennt. Wenn aber nicht so, wie denn, und wenn nicht so, ob überhaupt? Das ist die bange Frage und die angstvolle Verzweiflung, die in vielen aufsteigt und manchen den Krallen des Weltschmerzes ausliefert. Ob nicht wirklich der trennende Gegensatz, das ewige, unwandelbare Geschick der Menschheit, ob jemals das Bindemittel gefunden werden wird, das beim Bestehenbleiben verschiedener Charakteranlagen und verschiedener Lebenslagen! die Menschen vereinigt und ihre Verbindung ihnen zum Genüsse macht?

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