Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. M. Jacobson / Israels Glaube an die Zukunft. 3 konnte nur an ein Volk gerichtet werden, in dessen Mitte dieser Glaube seit jeher gegolten hatte und nur durch die Verderbnis der Zeit erschüttert worden war. Aus dem Vielen, das Israel infolge seiner Überzeugung, daß die göttlichen Sendboten, die Propheten, Wahrheit reden, glaubt, Wollen wir heute eines herausnehmen, und unter Gottes Beistand unsere Betrachtung verbreiten über den Glauben an die Besserung und Veredelung der Menschheit, an deren sittlichen Fortschritt und glückliche Zukunft. Dem Gedanken, daß das goldene Zeitalter nicht wie die alte Heidenlehre angenommen hat in der Vergangenheit weit zurück, sondern vorwärts in der Zukunft liegt, haben auch andere Propheten Ausdruck verliehen, aber gewiß hat keiner jene Epoche treffender geschildert, als sie in der Haphtara, die wir am achten Tage des Peßachfestcs verlesen, von dem herrlichen Jesaias beschrieben wird. ,,Der Wolf wird bei dem Lamm lagern und der Tiger bei dem Böckchen weiden, und junges Rind und jungeil Löwen und Masttier wird zusammen ein junger Knabe führen. Und Kuh und Bärin werden aus eine Weide gehen und ihre Jungen neben einander legen, und gleich dem Ochsen wird der Löwe Wiesenfutter suchen. Und das Kind wird ruhig vor dem Schlupfloch der Vyper spielen und von der Höhle des Basilisken sorglos sein Liedchen trillern" (Jesaias 11). lieber die Bedeutung dieser Verkiindigung sind die Meinungen unserer Schrifterklärer und Gesetzeslehrer geteilt; nach einigen ist hier eine wirkliche Veränderung in der Natur der Tiere geweissagt. Wir aber folgen den! in Glaubenssachen maßgebenden großeil Maimonides, der im letzten Kapitel seines Mischnah Torah diese und ähnliche Weissagungen als משלים als Gleichnisse und Bilder erklärt, in denen die Propheten den späteren Weltfrieden und die Harmonie unter den Menschen vorführen. Nun wird zwar nach Maimonides auch in der messianischen Zeit erst klar werden, welchen Zustand diese Bilder darstellen wollten, und jeder Versuch, sie auszudeuteil, ist vielleicht unberufene Einmischung in Dinge, die der Znkunft gehöre». Aber wenn wir nnn doch in diesen Bildern den Hinweis auf die Beseitigung der die heutige Gesellschaft entstellenden Mängel lind Schäden finden und das Symbol sür das, was sich