Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 2 (2.1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Max Weil / Der Sabbath. Jugend nnd Jugendleben verblassen, man verläßt die Uebung der Väter« lichen Lehre. Für die Kinder wird das Judentum ein inhaltloser Begriff, und sie mehren die Reihen derer, die das Judentum verlassen. ״Ein Sabbath ist es dem Ewigen in allen Euern Wohnsitzen". Also nicht nur in palästinensischen Dörfern oder in den galizischen Städtchen — nein! auch in den westeuropäischen Großstädten muß der Sabbath zu seinem Recht gelangen. Wo man aber die Sabbathe zu Werktagen schwinden läßt, gleicht das Judentum einem todkranken Organismus, in dem das Leben nur noch durch künstliche Bewässerung aufrecht erhalten werden kann. Wenn aber der Sabbath wieder an die alte Stelle zurückversetzt werden würde, dann würde der schwerkranke Organismus wieder gesunden, und reges jüdisches Leben würde an Stelle der Grabesstille treten. Auf die von Woche zu Woche wiederkehrende religiöse Erhebung, auf diese, ich möchte sagen, religiöse Restaurierung, leisten jene freiwillig Verzicht, die den Schabbos nicht halten zu können vermeinen, die glauben, auch am Sabbath das Joch der Arbeit tragen zu müssen Tausende junger Leute, die in Geschäften, Büros, Fabriken, Werkstätten arbeiten, haben, oder besser gesagt, wollen keine Gelegenheit, Sabbath zu feiern. Sie können also ein ganzes Jahr, ausgenommen vielleicht an den heiligen Tagen kein Gotteshaus betreten, sie leben ohne Tauroh und ohne Awaudo, ohne religiöse Belehrung, werden durch die Sabbathentweihung den jüdischen Einrichtungen entfremdet und des inncrn Zusammenhangs mit der religiös-jüdischen Gemeinschaft beraubt. — Schon daraus allein können wir sehen, daß die Sabbathentweihung geeignet ist, das jüdisch-religiöse Leben in seinen Grundfesten zu erschüttern. Mitten in dem heißen Kampf aller gegen alle tritt der Friedensbote, der ״Sabbath". Er will den Kämpfenden die Furchen der Stirne glätten, ihnen Ruhe und Frieden bringen, indem er auf Gott, der ihn gesandt, hinweist, in dessen mächtiger Hand doch allein Leben und Tod, Vrinut und Reichtum ruht. — Der Sabbath ist auch ein wichtiger Faktor der Erziehung. Der schönste und reichste Schatz, den Eltern auf ihre Kinder vererben können, ist die Perle des Sabbaths. Die wissen nicht, welches Gut sie sich verscherzen, die dieser Seelenfreundin den Rücken kehren. Die wissen nicht, u>ie arm sie ihre Kinder machen, die ihnen diese Perle nicht vererben. Sie geben ihnen Tugend, Klugheit Reichtum, sie vergessen jedoch, ihre Herzen mit dem Sabbath zu vermählen und halt- und machtlos überweisen sie ihr Glück und ihre Freude, ihre Weisheit, ihr Judentum, dem berechnungrlosen Schwanken des Ungefährs.