Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 2 (2.1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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W. @. Jacobson / Eine Jndenfraqe, eine Wirtschaftsfrage. 9 finden. Wir wollen heute die Frage ein wenig zu erörtern versuchen, wie man den Bestand der Iudenheit am besten sichern kann und auf diese Frage gebe ich als religiöser Jude ohne Besinnen die Antwort, durch die Erhaltung des Judentums, d. h. durch die Befolgung all der Lehren, die das jüdische Religionsgesetz von seinen Bekennern fordert Die Lehre des Judentums ist m. E. eine durchaus und ausschließlich religiöse, denn die Betonung des Völkischen, des Nationalen kommt im Gebete, eine der stärksten Ausdrucksformen der religiösen Seite des Judentums am stärksten zum Ausdruck. Das Bewußtsein, daß wir ein Volk sind, wird in den religiösen Schriften unseres Volkes immer und immer wieder betont und wenn t» den letzten Jahrhunderten, ja in den letzten Jahrtausenden die Tatsache, daß wir Juden ein Volk sind, weniger hervorgehoben worden ist, so hing das mit äußeren Umstünden zusammen. Wir hatten keine Gelegenheit, die nationale» Bestandteile der Lehren, die das Judentum predigt, hervorzukehren, ja oft wäre dieses - auch eine Folge wieder der Golus, unseres mit religiösen Gedanken so innig durchwebten Wanderschicksals — unpraktisch, wenn nicht gar töricht gewesen Mit wenig Worten glauben wir sagen zu dürfen: Mit der Bekundung der nationalen Seite des Judentums geht eine solche der religiösen nicht Hand in Hand. Eine Stärkung des religiösen Gefühls wird aber unzweifelhaft zugleich eine Kräftigung des nationalen Bewußtseins bedeuten Wie eben ausgeführt und das ist unsere tiefe innere Ueberzeugung, wird ein stark religiöfer Jude sich des Völkischen immer bewußt sein, dafür sorgt eben schon die Betätigung des Religionsgesetzes. Im Gebete spricht er immer von dem Volke Gottes, von den Brüdern seines Volkes, zu Dem, der sein Volk Israel schützt und hütet und mit der Hoffnung auf die messianischc Zukunft, — und das ist doch einer der Grundpfeiler unserer Religionslehre,— wird die Hoffnung wach auf neues starkes Volksleben, das im eigenen Lande die eigene Kultur, eben die jüdische Kultur, fördert und erblühen macht. Ein bekannter Hamburger christlicher Geistlicher hat ein Buch geschrieben über die Einwirkungen der Großstadt auf die Religion und er kommt in diesem Buch zu dem Ergebnis, daß die Großstadt das Grab der Religion, in dem Sinne, wie wir Juden Religion auffassen, ist, wenngleich sie s. E. die Wiege einer neuen Religion ist: Einer Religion der Ethik und des Sozialismus. Da aber wir Juden keine Religion der Ethik und de» Sozialismus kennen, weil bei uns Ethik und Sozialismus nur Bestandteile der Religion sind, weil der Jude, wenn er wahrhaft Und im Sinne des Judentum» religiös ist, ethisch und sozial sein muß.