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Blätter · 1916-02-01 · 2 (2.1916) · p. Seite 6

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Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
2 (2.1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 W. ©. Jacobson / Eine Iudenfrage, eine Wirtschaftsfrage. stabe wiederfinden, wenngleich friiher die Provinz Posen das Kernland׳ war, das Reservoir, aus dem viele Gemeinden des Westens gespeist wurden, und obgleich auch noch heute fast alle Gemeinden der Provinz Posen nicht nur von frommen, sondern von sog orthodoxen Rabbinen geleitet, werden, deren Schmerz nicht die Abnahme der Gemeiudemitglieder, die numerische Verminderung ihrer Gemeinde ist, sondern an deren Herzen der Gram frißt, daß in ihrem Rabbinatsbezirke die Entweihung des Schabbos im Vergleich zu früher so sehr zugenommen hat und auch dort wird die Frage des,,Woher dieses"? beantwortet durch zwei Schlagworte:. ״Sonntagsruhe", ״Wirtschastsverhältnisse", und diese zwei Worte sind keine Redensarten, sondern geben nur trübe Tatsachen wieder. Daß mit der Aufgabe des Schabbos der religiöse Verfall auch auf anderen Gebieten beginnt, ist selbstverständlich, denn in weß' Herz aus des Schabbos stärkender Kraft nicht jede Woche neue Glaubensinnigkeit sich ergießt, der geht der Freude an der Religion und des Wollens,. wenigstens die Vorschriften zu halte», die er ja »och halten könnte, gar leicht verloren. Fehlen dem Tisch des Hauses erst einmal die Schabboslichter, dann ist es sicher nur eine Frage längerer oder kürzerer Zeit, daß ihm auch die koschere Speise fehlt, das ist eine bekannte Erfahrung, über die nicht zu reden ist. Ja, mir haben die Leute selbst versichert, sie würden darin eine Beleidigung Gottes sehen, den Schabbos zu entweihen und dabei Tefillin zu legen und wenn sie auch Unrecht haben, und wenn ich ihnen auch erklärte, daß das eine vielleicht nicht zum andern komme, so entsprach diese Denkungsart sicherlich keiner Schlechtigkeit, sondern einem, wenn auch falsch angewandten Zartgefühl. Daß in solchem Hause von einem Torastudium keine Rede mehr sein kann, bedarf keiner Erwähnung. Und nun denke man sich den Sohn eines solchen Hauses von dem Vater in die Großstadt in die Lehre geschickt, nicht gerüstet mit den Waffen, die fromme Erziehung und jüdisches Elternhaus gewähren, bar jeder Kenntnis jüdischen Wesens, bar jeden jüdischen Wissens und man kann sich die Folgen denken. Wir haben hier ein Beispiel, wie die Wirtschaftsverhältnisse der kleinen Stadt einwirken können aus den religiösen Verfall einer in der Großstadt ansässigen Familie, deren Begründer aus der Kleinstadt, dem eben geschilderten Milieu, stammt. Daß er, selbst wenn die Großstadt ihm Gelegenheit böte, Schabbos zu halten, durch das Vorbild im Elternhaus verdorben, auf die Hut des Schabbos keinen Wert legt, daß er sich als Jüngling in den Strudel großstädtischer Genüsse stürzt und daß in ihrem, ihm den letzten Rest religiösen Geistes abspülenden Meere, er ganz versinkt, ist nur verständlich und natürlich. Dies ist ein Fall, wo׳

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