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Blätter · 1916-02-01 · 2 (2.1916) · p. Seite 4

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Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
2 (2.1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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4 W. S. Jacobson / Eine Iudenfrage, eine Wirtschaftsfrage. untergraben wollen. Wir erhalten das Judentum, indem wir am Glauben der Väter festhalten und arbeiten, daß der Glaube der Väter auf die Kinder und Enkel ungeändert und ungemindert sich vererbt, und glauben heißt ja bei uns dasselbe wie tun. Das ist keine Redensart, das ist kein Text für eine Büßpredigt, sondern das ist eine nüchterne Wahrheit, die in ihrem ganzen Umfange durch die Geschichte bestätigt wurde. Wo die Juden ihren Glauben verloren, verloren sie die Widerstandskraft, waren sie nicht mehr glücklich in ihrer Religion und in der Befolgung ihrer Gesetze; dann wurden sie ihrer überdrüssig und die Gelegenheit ward gesucht,- mit dem Verlust des Judentums auch die Zugehörigkeit zur Judenheit zu verlieren und sie ward gefunden und des frommen Ahnen Sprosse war kein Jude mehr, vom Baume der Judenheit fiel ein Blatt, das das Chlorophistl des Judentums längst verloren hatte. Die große Frage ״Wie bleibt die Judenheit lebenskräftig?" ist beantwortet dadurch, daß wir behaupten, wenn sie religiös bleibt. Die weitere Frage ״wie bleibt die Judenheit religiös?“ zu beantworten, ist aber unendlich viel schwieriger Um es vorweg zu nehme», nach unserem unmaßgeblichen Erachten ist die Beantwortung dieser wichtigsten Frage ein Wirtschaftsproblenr, die In de »frage ist mithin eine Wirtschaftsfrage. Diese Wirtschaftsfrage wollen wir heute ein wenig zu erörtern versuchen, wobei wir von vornherein zugeben, daß es für den, der in Wirtschaftsfragen ein Laie ist, schwer ist, zu urteilen, denn er sieht die Dinge nur nach ihren äußeren Erscheinungsformen; sie in ihren tieferen Ursachen zu erfassen, wird ihm nur manchmal möglich sein. Dennoch, weil die Sache so sehr wichtig ist, haben wir uns daran gemacht, uns mit ihr zu beschäftigen und wir möchten betonen, daß Vieles von dem, was wir heute betrachten, sich auf Besprechungen gründet, die ich mit meinem lieben Freunde Dr. Carl Cohn-Altona, der mich zum Nachdenken über dieses Problem anregte, führte. Das Judentum steht und fällt mit zwei Dingen, mit der Hut des Echabbos und mit dem Torastudium. Wir wollen zuerst daran gehen, zu untersuchen, wieweit da; moderne Wirtschaftsleben die Hut des Schabbos beeinflußt bezw. um die Sache gleich beim richtigen Namen zu nennen, beeinträchtigt. Wir wollen dabei zwei verschiedene Typen ins Auge fassen, den Juden in der Großstadt und den Juden in der Kleinstadt. Betrachten wir zuerst den Juden in der Kleinstadt- Ich möchte erzählen von den Erfahrungen, die ich persönlich auf diesem Gebiete gemacht habe. Durch,

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