Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 2 (2.1916)
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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W. 6. Jacobson Eine Judenfrage, eine Wirtschaftsfrage. 3 Unter dieser Frage versteht man wohl in nichtjüdischen Kreisen und auch jn vielen jüdischen die Erörterung des Problems vom Verhältnis der Juden zu den nichtjiidtschen Völkern, unter denen sie weilen, in deren Ländern sie wohnen, teils als Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten eines solchen, teils nur als geduldete, gequälte Untertanen. Diese Juden« frage im Sinne der Stellung der Juden zu den andern Völkern, unter denen und mit welchen sie leben, dürfte aufgeworfen worden sein, teils als Folge der Emanzipation, die jüdische Staatsbürger schuf, teils als Folge des Antisemitismus, dessen Kampf wohl auch in erster Linie dem jüdischen Staatsbürger oder doch den Rechten, die man ihm eingeräumt hatte, galt, teils auch als Folge des Zionismus, durch den zwar an sich der jüdische Staatsbürger, der den Gedanken des Zionismus verficht, in keiner Weise berührt wurde, weil der Zionismus den selbstverständlichen Unterschied Zwischen Staatsbürgertum und Nationalität noch besonders unterstrich, der aber durch die Betonung des nationalen Charakters den anderen Nationen — erwünscht oder unerwünscht — Gelegenheit gab, sich mit der Judenfrage ergiebig zu beschäftigen. Eine Erörterung der Judenfrage in diesem Sinne, die wir die p o« titische Iudenfrage nennen möchten, scheint gerade unter gegenwärtigen Zeitverhältnissen zwecklos oder doch zumindest überflüssig, schon deshalb, weil diese Judenfrage nicht durch die Juden selbst gelöst werden kann, ihre Lösung vielmehr abhängig ist von Gunst oder Ungunst der Völker, und von den Verhältnissen, unter denen die Juden leben. Diese politische Judenfrage kann und muh von so vielen Gesichtswinkeln aus betrachtet werden, als cs verschiedenartige Verhältnisse und Bedingungen giebt, unter denen — zum Guten oder zum Nachteil durch diese beeinflußt — die Juden leben. Da die Lösung dieser Judenfrage daher nicht von jüdischer Seite aus geschehen kann, zwar durch jüdische Mitarbeit, aber »icht durch jüdische Initiative, wäre es verlorene Liebesmüh, über diese Dinge zu sprechen oder zu schreiben. Wir überlassen die Lösung dieser Judensrage denen, die durch das Schicksal berufen sind — das ist ja eben die Tragik unseres Golus — sie herbeizuführen: Den Nichtjuden. Wir glauben, der Ueberzeugung sind wohl alle mehr oder weniger, daß es unsere Aufgabe im Golus ist, und diese Aufgabe ist groß und schwer, uns zu erhalten für die Zukunft, die Großes von uns fordert, in der uns aber auch Großes beschieden sein wird. Wir erhalten uns, indem wir das Judentum erhalten und wir erhalten das Judentum, indem wir das jüdische Religionsgesetz erhalten und es schützen vor Einflüssen, die seine Herrschast über uns und damit unsere Herrschaft über uns selber