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Blätter · 1916-01-01 · 1 (1.1916) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
1 (1.1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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12 Josef Stern-Fulda / Im Osten. km bei dem zeitweise sehr rauhen Herbstwetter aushalten würden Helfen konnte ich ihnen nicht״ nur wünschen, das; ך,‘!־ ihnen in dieser Lage beistehen möge. 2 Tage später, am Schabbos Chalmaued Sukkans mußte ich wegen einer Blutvergiftung au der rechten Hand, die ich mir beim Kartvffelbuddeln zugezogen hatte, zurück ins Lazarett, da ein operativer Eingriff nötig war. Das Lazarett war in einem Schnlhause des Städtchens Kurcenez, untergebracht, war früher eine ziemliche jüdische Gemeinde gewesen sein soll. Bei einem alten Mann, der troff der großen Lebensgefahr nicht mit den anderen geflüchtet mar, machte ich Hawdolot, wozu ich die Kerze spendieren mußte, und dann teilte ich mit ihm sein karges Mahl, Salzkartoffel und Thee. Etwas besseres war ich lange nicht gewöhnt, abgesehen von denr Fleisch selbstgeschlachteter Hühner, woran wir eigentlich keinen Mangel hatten. Brot war alles requiriert worden, ebenso alle Mehlvorräte, sodaß die Leute eben auch vorerst meiler nichts zum Leben hatten als Kartoffeln und Gemüse. Auch auf die schönen Mizwans des Sukkansfestes hatten sie verzichten müssen, was ihnen noch das Schlimmste war. Am andern Morgen, nachdem mir mein ״Gastgeber" noch geholfen hatte, Tefillin legen (allein konnte ich cs wegen der großen Schmerzen in der Hand nicht) ging ich ins Lazarett und ließ mich operieren, wodurch ich wenigstens von den rasenden Schmerzen befreit wurde. Dann begann der überaus beschwerlichc Rücktransport nach Wilna, ivo ich am Sinchas Thora, also Freitag nachmittag ankam. Unsere Hoffnung, daß wir dort in Lazarette komnren sollten, wurde getäuscht, alle Leichtverwundeten und irgendwfe Transportfähigen sollten am nächsten Tage zur ca. 20 Km. entfernten Eisenbahnstation Landwarowa gebracht werden, um nach der Heimat transportiert zu werden. Ich ließ mich, zum ersten Mal nach der Operation, wieder verbinden, dann wurde den Leichtverwundeten ein Zirkus als Schlafstelle angewiesen, wo ich sofort eine Loge im ersten Rang mit Beschlag belegte. Daraufhin erkundigte ich mich nach der nächsten Schule und wurde in ein jüdisches Altersheim, Manschab sekenim verwiesen. Mein Eintritt erregte dort großes Aufsehen, ich mußte zu Kiddusch und zum Abendbrot dableiben, und da habe ich mich seit langem zum ersten Male wieder richtig sattgegessen. Ich wurde förmlich bestürmt mit Fragen und mußte immerwährend erzählen. Einer frug sehr eingehend nach S.M. dem Kaiser, nach Hindenburg und Mackensen, einige andere frugen mich nach einigen deutschen Gefangenenlagern, wo sie Verwandte hatten Eifrig erkundigten sie sich nach den Lebensmittelpreisen und Lebensbedingungen in Deutschland. Die Preise waren natürlich an den russischen gemessen

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