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Blätter · 1916-01-01 · 1 (1.1916) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
1 (1.1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Josef Stern-Fulda / Im Osten. 11 Am andern Morgen begann der große Umgehungsmarsch um die russische Armee, die in der Gegend von Wilna stand. Ungeheures wurde von uns und unfern Pferden verlangt, dabei wurde der Proviantnachschub immer schlechter wegen der großen Entfernungen. Weder Post noch Brot, »och saust irgend welcher Proviant für Mensch oder Tier kam nach, und wir waren aus die Früchte des Feldes und auf das, was uns die Kavallerie und Infanterie, die immer vor uns marschierte, übrig ließ, angewiesen. Dementsprechend habe ich auch ganz Iaum Kippur, wo wir von früh bis abend marschierten, ganz gut gefastet und abends an einem Säckchen Zwieback ganz gut angebissen. Wenigstens diese eine Mizwoh konnte ich erfüllen, doch nein, gewaschen habe ich mich an diesem Tage auch nicht, da dies der Regen mehr als reichlich besorgte! also 2 Mizwaus. Weiter Marschierten wir nach Osten und Sukkaus kam heran. Die gänzen 4 Tage hoffte ich wieder, Iontof richtig begehen zu können, aber auch damit war cs Essig Am ersten Tag Sukkaus waren wir schon in früher Stunde hoch zu Roß auf dem Weitermarsch. Nach einigen Stunden Marsch bei sehr heißem Wetter sah ich ein Bild, das ich wohl so rasch nicht wieder vergessen werde. Schon von Weitem sah ich eine lange Kolonne Männer und Frauen uns entqegenkommen. Beim Näherkommen stellte ich fest, daß es sich um Juden in Feiertagskleidung handelte, die fast alle schwere Bündel ans dem Rücken schleppten. Der eine trug eine mW ספי, eine alte Frau ein großes Bündel Kleider, eine andere einen Säugling, ein junges Mädchen trug ein Wasserglas mit Butter nsw. Das Ganze sah nach eiliger Flucht aus. Auf meine verwunderte Frage, was sie wohl am 2"' in solchem Aufzug ans die Straße trieb, erzählten sie mir ihre Tragödie! Sie wohnten alle friedlich in Kowno und gingen ihrem Gewerbe nach. Da kam am ersten Tag Schwuaus plötzlich für alle Juden der Ausweisungsbefehl aus dem Festnngsbereich Kowno. Innerhalb 24 Stunden mußten sie ihr Heim verlassen! was sie nicht mitnehmen konnten, wußte dortbleiben. In den 2 Städtchen, auf die wir jetzt marschierten, hatten sie während der Sommermonate bei Glaubens- und Leidensgenossen Zuflucht gefunden. Und jetzt mutzten sie auf Befehl des deutschen Kommandanten diese beiden Plätze wieder verlassen, da sich dort das russische Hauptheer zum Kampfe gestellt und sich eine heftige Schlacht entwickelt hatte. Wieder mußten sie am 2"' ihr Bündel schnüren und fliehen. Sie wollten versuchen, zu Fuß Kowno zu erreichen, aber wahrscheinlich ahnten sie nicht, welche Entfernung sie zuriickzulegen hatten! mir schien es unmöglich, daß die teilweise weißbärtigen Greise, Frauen und kleine Kinder, dazu noch teilweise schwer bepackt, die Strapazen eines Marsches über 200

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