Mannheim
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Blätter · 1916-01-01 · 1 (1.1916) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
1 (1.1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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10 Josef Stern-Fulda: Im Osten. ich hier keine Gelegenheit Glaubensgenossen zu finden, anch am Freilagabend nicht, im Gegenteil, wir lagen 2 Tage unter freien Himmel im strömenden Regen, bis wir schließlich am Schabbos wegen der Pferde Notquartier bezogen. Die Iomim Nauroim kamen heran, ich dachte daran, wie wir zu Hause jeden Morgen früh ausstanden und zu Slichaus gingen nnd wenn ich mir jetzt überlegte, wo ich diese heiligen Tage verbringen sollte, wurde es mir weh ums Herz. Da kam der Befehl: um 2 Uhr wecken, 3 Uhr Abmarsch nach.zwecks Verladung! wir hofften nach Frankreich, aber es kam anders. Ich mar froh, wieder unter Inden zu sein, besonders da Rauschhaschonoh vor der Tür stand. Am Erew Rauschhascho- »oh besuchte ich die Entlausungsanstalt, die im Mikweh untergebracht war und am Abend war ich in Schul, das erste Mal, daß ich einem echt polnischen Gottesdienst beiwohnte. Da wurde mir erst die Bedeutung des Satzes Kol jisroel chawerim seh loset! vollends klar, denn von Borchu an war ich wieder zu Hause, trotz der anderen Negunim, der anderen Minhogim und der anderen Umgebung. Selbst das Fehlen der Cylinder und anderer westlichen ״Kulturerrungenschasten" konnten mir dies Gefühl nicht rauben. Als ich in das Quartier zurückkam, um meine Pferde zn füttern, hörte ich den neuesten Befehl: Um 3 Uhr ist alles gesattelt und geschirrt zur Verladung bereit. Ich eilte sofort in Schul zurük, um Mussaf fertig zu ohren; um halb 2 Uhr war Schul aus. Dann habe ich schnell Kiddusch gemacht, etwas gegessen und im Laufschritt zurück ins Quartier, um mich versandbereit zu machen Schabbos früh landeten wir in Kowno nud bezogen in einem Fort Quartier. Da die Bahn noch nicht so weit ging, mußten wir die letzten 30 Km. marschieren, wo ich unterwegs verschiedene verlassene jüdische Ansiedelungen traf, so ein עולם DO! eine Synagoge mit etlichen Volltreffern, zerstörte und geplünderte Läden mit jüdischen Namen, aber keine Juden; dasselbe in Kowno selbst und in einigen anderen Städten. Nachdem ich meine Pferde besorgt hatte, worüber es diesmal Nacht wurde, ging ich in Schul, um dort zu erfahren, ob es dort noch Juden giebt oder nicht. Als ich hereinkam, bot sich mir ein grauenvolles Bild. Alle Schränke erbrochen nnd der Inhalt auf der Erde zerstreut. Trotzdem ich nur notdürftig sehen konnte, räumte ich auf, so gut ich konnte. Leider konnte ich diese Arbeit in dem danebenstehenden Bes hamedrasch nicht auch ausführen, da es inzwischen stockdunkel geworden war und ich absolut nichts sehen konnte.

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