Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1 (1.1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Josef Stern-Fulda, Im Osten. von dem alten Mann aus seinem Leben erzählen. Er hatte den Krimfeldzug mitgemach!, was ihn davor bewahrte, von den Kosaken als Spion verhaftet zu werden Zum Mauzieh hatten wir das ״Brot des Elends", richtige Mazzoh, die seine Frau nach der Rückkehr aus dem Wald zu שבת gebacken hatte. Hier hatte die Mazzoh also ihren richtigen Charakter wieder. Leider schlug am folgenden Morgen wieder die Scheidestunde, sodas; es mir auch hier nicht vergönnt war, einen Schabbos mit Juden zusammenzuverbringen. Der nächste Freitag sah mich in Byalistock. Am Donnerstag früh wurde die Stadt von den Ulanen beseht und nachmittags zogen wir ein. In der Stadt war fast nichts zerstört, blos die Eisenbahn und der Bahnhof durch Bombenmürse und die großen Fabriken waren gesprengt, um keine edlen Metalle in unsere Hände fallen zu lassen. Auch die Glocken waren aus diesem Grunde in das Innere entführt worden. Ein Kosak, der im Begriff war, ein großes Goldkreuz von einer Kirche abzuschrauben, stürzte ab, als er die deutschen Truppen eimnarschieren sah und die Flucht als den besseren Teil der Tapferkeit ergreifen wollte. Kurz nach dem Einrücken der deutschen Truppen setzte ein schwangvoller Handel besonders in Weißbrot ein, das wir, die wir nur Kriegs- und Kommisbrot gewöhnt waren, mit großem Appetit verzehrten. Am andern Morgen machte ich mich auf eine Stunde frei und ging in Schul Es erregte großes Erstaunen, als ich meine Tefillin hcrauszog und anlegte, sie wurden kritisch betrachtet, ob sie auch echt sind, so unglaublich schien es den Leuten, daß deutsche Soldaten noch die Mizwaus kennen und halten. Natürlich wurde ich von allen Seiten zu Kiddusch eingeladen und ich versprach auch zu kommen. Inzwischen wurden wir aber nach einen, anderen Stadtteil verlegt und ging ich deshalb dort in eine kleine Schul wo ich ebenso angestaunt, umringt und eingeladen wurde. Leider konnte ich nur einmal Zusagen, und ich ließ mir den Gansbraten ganz gut schmecken. Aber auch hier verfolgte mich das Mißgeschick; am שבת der Frühe kam der Befehl zu Abmarsch. Es war mir ganz eigenartig zu Mute, als ich am שבת durch die Straßen ritt, alle Läden geschlossen, die Leute im C>,linder, Tefilloh und Tallis unterm Arm gingen in Schul, hier und da konnte man eine Familie beim Kiddusch sehen, da wäre ich am liebsten vom Pferd herabgesprungen und hätte mitgefeiert, so war ich von dem ישבת Geiste, von dem Auneg-Schabbos, der über dem Ganzen schwebte, nmfangen. Aber das eiserne Gebot des Krieges verbot mir dies und ich mußte folgen. Die nächste Woche sah uns auf dem Marsch nach Grodno. Leider hatte