Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1 (1.1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Wolf 6. Jacobson-Hamburg Zum Neujahrsfeste der Bäume am 15, Sch'wat. und Toten ist es Zeugnis göttlicher Güte, Seines Schöpfermaltens, das alles Entlaubte und Entblätterte wieder zur Blüte und zur Frucht bringt. „Der Mensch im Bilde des Baumes" das ist ein Gedanke, dem wir in jüdischen Schriften oftmals begegnen. Der königliche Psalmsänger vor allem, er malt ihn mit wunderbar klaren Farben, er zeigt uns den wahrhaft Frommen, den, der die Sünde und ihre Ursachen meidet, als eine» kraftvollen Baum, der au Wasserbäche gepflanzt, aus den Lebenswasser» der Tora seine Nahrung zieht, der zur Zeit Frucht trägt, dessen Laub nicht melkt, der seine Kinder in seinem Geiste, d h. in Jüdischem erzieht, und deshalb die Gewißheit hat, daß sie zur Frucht werden, die Freude bringt und Nutzen, daß sie nicht gleichen der leeren Spreu, die der Wind verweht. Er zeigt uns den Frommen als himmelstrebenden Dattelbaum, fest verankert ini Boden des Judentums, eine gerade aufrechte Pflanze, die nicht gekrümmt, nicht nach den Seiten wächst, die nur iu die Höhe, die Gottesnähe, strebt, und darum ist süß und erquickend ihre Frucht. Er zeigt uns die jüdische Frau im Bilde des früchtereichen Weiustockes; die Heranwachsende Generation im Bilde der edlen Olivenbaumes: und auch den schlechten, den frevelnden Menschen sehen wir dargestellt im Pslanzenbilde, er gleicht dem Stroh, der vom Wind verwehten Spreu, der wertlosen Stoppel. Israels Gesamtheit finden wir auch geschildert in den Geschöpfen der Flora. „Wie eine Rose unter Dornen, ist meine Geliebte unter den Töchtern" heißt es im Lied der Lieder. Die Rose ist Königin der Blumen, herrlich ist ihr Duft, wunderbar ihre Form; solcher herrlichen Rose gleicht das jüdische Volk, wenn es seiner Berufung gerecht wird. Ein ander Mal ist es die Nuß, in der wir unser Volk dargestellt sehen, und das soll uns sagen, daß, wenn auch die Schale oft hart und ungenießbar ist, der Kern ist gut, süß, wohlschmeckend, wenn auch die äußeren Formen, in denen das jüdische Volk lebt, manchem zu hart und zu streng erscheinen, der Gehalt unseres Gesetzeslebens ist wunderbar erquickend und erhebend. Das will uns sagen, der Kern von Israel ist immer gut gewesen, wenn auch die Schale, die äußere Hülle oft ungenießbar, ja schlecht war. Israels Lebenszweck ist die Thora, ihr Inhalt ist Wahrheit! Die Thora wird genannt der „Baum des Lebens", von der Wahrheit heißt es ,,baumgleich aus der Erde empor sprießt sie", sie ringt sich durch den ostmals harten Boden zur Höhe hinan. Den Boden unseres Herzens sollen wir pflügen, aussäen sollen wir Gerechtigkeit nnd Liebestat.