Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1 (1.1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurt a. Main, Januar 1916. Zum Neujahrsfeste der Bäume am 15. Sch'wat. Von Wolf S. Jacobson-Hamburg Schneeiges Weif;, die Farbe des Winters, decket die Fluren, des Eises Decke die Gewässer - Israel feiert der Bäume Neujahrsfest. Mitten hinein in die. winterliche Stille dringet ein Ruf, dessen Echo sommerliche, sonnige Gedanken in uns weckt; der Bäume Neujahr: Wir sehen die Schneedecke schmelzen, die Eiskruste brechen, die Bäume die entlaubten, im grünen Blätterkleide, gebeugt unter der Last der Früchte, die Sträucher im Blumenschmuck, wir sehen sommerliche Farben, sommerliche Freuden, wen» auch noch der Winter herrscht. Dieses Neujahrsfest der Bäume, mitten im tiefsten Winter, ist bezeichnend für die jüdische Auffassung. Diese einfache, kalendarische Bestimmung wirkt wie ein Symbol: Hoffnnngsfroher, sonnenwarmer Zukunstsglaube in düst'rer kalter Gegenwart Draußen stehen sie, die tapfer» Freunde, die Gatten und die Väter, die Brüder und die Söhne, sie halten Wacht, sie gleichen den Schutzengeln, die das Glück der Heimat sichern. Auch ihnen wird der Neujahrstag der Bäume zu einem Fest der inneren Erhebung, nicht nur des Gedenkens an die trauliche Feier dieses Dages iin eigenen Haufe, wo man im Genüsse der mannigfachen Früchte den himmlischen Schöpfer dankend lobte, sondern auch der Hoffnung aus eine frohe Zukunft. Auch ihnen ist winterlich ums Herz, sie sind getrennt von ihren Lieben, von den teuren ihres Herzens, da spricht zu ihnen der Chamisso Ossor: „Seid unverzagt, bald der Morgen tagt" und dieser Morgen bedeutet ihnen einen sieggekrönten Frieden, der sie zurücksührt zu den Ihren, zum friedlichen Lebensberuf. Den Lebenden ist er Hoffnung, denen, die nicht mehr sind, Gewißheit! Denen, die gefallen sind in diesem großen Kampfe, ruft er zu: „Ihr, die Ihr schlafet unter der winterlichen Decke, Ihr schlafet nicht ewig; so wie in der Natur auf den Winter der Sommer folgt, aufs Welken neues Erblühen, so ist's auch mit Euch. Aus dem Boden, in welchen man Euch gebettet, steigt Ihr empor als herrliche Bäume, wurzelnd in dankbarer Erinnerung. „Gepflanzt im Hause Gottes, blühend in den Vorhöfen unseres Gottes!" Auch Euch, unsterblich gewordene Freunde, die Ihr starken Eichen, ragenden Zedern glichet, gehört dieses Neujahrsfest der Bäume. Lebenden